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Zegna: Modekonzern im Aufwind

Zegna - Erfolg durch Gegensätze

16.05.2012, 12:11 Uhr | Frank Lansky

Ein Zegna-Anzug ist ein Kunstwerk. (Quelle: Reuters)

Ein Zegna-Anzug ist ein Kunstwerk.

(Quelle: Reuters)

Ermenegildo Zegna vereint viele Widersprüche in sich: Mega-Konzern und Familien-Unternehmen, cooles Label mit Tradition. Der Clan ist alles, wichtig waren stets die heimischen Wurzeln. Dennoch ist der Luxus-Schneider keineswegs provinziell. Vielmehr war Zegna der erste Mode-Pionier in China. In der Summe brachte genau dieser Mix den Erfolg.

Begonnen hat alles im Jahr 1910 mit dem Namensgeber Ermenegildo Zegna (1892–1966). Der Schneider stieg als 18-Jähriger in die Stoffweberei seines Vaters Angelo Zegna im norditalienischen Trivero ein. 1910 gründete Ermenegildo als jüngstes von zehn Kindern die Lanificio Zegna , die Wollweberei Zegna. Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1923 übernahm er die Fabrik. Zegna ist fest in der Hand der Familie Der Gründer notierte sämtliche Produkte und Designs per Hand – und legte so den Grundstein für ein konsequentes Qualitätsmanagement. Der Patriarch war auch ein gewitzter Verkäufer: Seine Abnehmer in New York – meist Schneider italienischer Abstammung – verwöhnte er bei der Vorstellung seiner Stoffe gerne mit heimischer italienischer Küche. Selten konnte ein Kunde dieser Umgarnung widerstehen. Mit dem Tod von Ermenegildo Zegna 1966 übernahmen dessen Söhne Aldo (1920-2000) und Angelo (*1924) den Betrieb.

Heute hält Konzernchef Ermenengildo 'Gildo' Zegna, der Sohn von Angelo Zegna, das Zepter in der Hand. Paolo Zegna, Sohn von Aldo Zegna, ist Vorsitzender des Verwaltungsrates.

Auch andere Verwandte sind im Konzern untergebracht. Laut der Clan-Charta darf ein Zegna seinen Anteil nur an Familienmitglieder verkaufen - "mit einem schmerzlichen Preisabschlag". Das ist aber noch nie geschehen. Zegna-Anzüge sind Kunstwerke Bis heute produziert Zegna ausschließlich Herrenmode, beschäftigt weltweit über 7000 Mitarbeiter und fertigt rund 350.000 Anzüge. Nur rund ein Drittel der von Zegna produzierten Stoffe werden für das eigene Label verarbeitet. Der Rest geht an Brioni, Tom Ford oder Ralph Lauren.

Trotz der schieren Größe ist Zegna kein Produzent von Massenware. Ein Zegna-Anzug ist ein Kunstwerk, das durch mehr als 500 Paar Hände läuft.

Basis des Erfolges ist der Rohstoff – der Anzug ist nur so gut wie das Tuch. Tatsächlich hängen sich die hochwertigen Stoffe nach dem Tragen von selbst wieder knitterfrei aus. Zegna rollt den chinesischen Markt auf Zegna steht wie ein Fels in der Brandung der kriselnden  Branche. Die alpinen Täler im Piemont sind übersät mit verlassenen Tuchfabriken – Mahnmale der harten Konkurrenz aus China und anderen Billigländern. Doch im Städtchen Trivero schlägt Zegna zurück und produziert jeden Monat rund zwei Millionen laufende Meter feinster Wolle, Cashmere und Mohair. Rund ein Viertel des Umsatzes bringt der Große Rote Drache. Zegna eroberte 1991 als erster namhafter Modehersteller den chinesischen Markt. Die Familie hatte seit langem Stoffe in Hongkong verkauft und wusste daher, wie begehrt der feine Zwirn dort war. Der Anfang war hart: Zegna musste sich mit Geschäftspartnern herumschlagen, die nichts von Mode und dem Westen hielten. Einige Läden beispielsweise wurden von der chinesischen Armee vermietet. Inzwischen hat sich die italienische Luxusmarke bei den Chuppies – Chinese Urban Professionals – aber zum Statussymbol entwickelt. Erfolgreicher als Hugo Boss Zegna betreibt nun 60 eigene Boutiquen in China, das sind mehr als Louis Vuitton oder Gucci. Die Konkurrenz musste Federn lassen: Hugo Boss beispielsweise musste einige Läden schließen. Giorgio Armani machte den Fehler, über die mittelpreisige Marke Emporio Armani Stücke “made in China“ anzubieten – die Chinesen vermuteten eine Fälschung. Für dieses Jahr plant Zegna weltweit 20 neue Läden, die Hälfte davon sollen in China ihre Türen öffnen. Zegna führt auf dem Globus mittlerweile rund 560 Monobrand-Stores, die als Cash-Bringer den Konzern von Banken unabhängig machen. Nun erntet Zegna die Früchte der internationalen Expansion: Nach einem kleinen Einbruch in der Finanzkrise klingelten im Jahr 2010 kräftig die Kassen. Rund 60 Millionen Euro blieben unter dem Strich hängen, nach 17 Millionen Euro in 2009.

Der Umsatz kletterte um rund 21 Prozent auf 963 Millionen Euro. Für das laufende Jahr sieht Zegna Steigerungsraten von rund 20 Prozent. Internationale Erfahrung für den Clan

Für Firmenchef Gildo Zegna ist der Globus der Markt, er verlangt von der nächsten Familiengeneration einen “interessanten Erziehungsprozess” als Weltbürger. Jeder junge Zegna muss einen Uni-Abschluss erwerben, Englisch sprechen und für mindestens drei Jahre bei einem anderen Unternehmen arbeiten, bevor er im Familien-Konglomerat anfangen darf. Konzernchef Gildo Zegna beispielsweise studierte an der Harvard Business School und arbeitete als Einkäufer für Bloomingdale's in New York.

Zegna setzt auf Bodenhaftung

Trotz des internationalen Erfolges hat Zegna seine Wurzeln nie verleugnet. Kurz nach der Gründung ließ Zegna ein Schwimmbad, eine Schule und ein Krankenhaus für die Mitarbeiter bauen. Am Fuß der Alpen wurde der Naturpark "Oasi" errichtet. Dieser Einsatz führte dazu, dass Zegna stets das in der Branche übliche Job-Hopping mit der entsprechenden Unruhe erspart blieb – Zegna sieht sich als große Familie.

Klar wurde dies beim 100jähriges Jubiläum im vorigen Jahr. Das offizielle Fest fand im Mailänder Modezirkus statt. Doch die eigentliche Feier lief in der Lanificio ab. Zu Ehren der Arbeiter standen die beiden Chefs Gildo und Paolo zusammen mit dem greisen Ehren-Präsidenten Angelo Zegna auf dem Hochgang der Wollmühle. Der Laufsteg ist das Symbol für das unzertrennliche Band zwischen den Meistern und den Arbeitern und wurde als architektonisches Element auch in der  neuen Zentrale in Mailand aufgegriffen. Als die vom Chef der Firmen-Kantine gebackene Schoko-Torte angeschnitten wurde, kullerten bei vielen Gästen die Tränen über die Wangen.

Quelle: Frank Lansky, wanted.de

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