28.01.2013, 16:40 Uhr | Frank Lansky
Genuss ist ein Muss - das gilt gerade für den Wein. Damit Mann im riesigen Weinmarkt nicht den Überblick verliert, haben wir uns die besten Rebensäfte des Jahres 2012 angeschaut. Genauer gesagt lassen wir den Experten des Wine Spectator den Vortritt.
Das Blatt ist zusammen mit dem Wine Advocate das wichtigste Medium in der Welt der Weine. Entsprechend gespannt sind die Fachleute zum Ende jeden Jahres. Bewertet wurden neben der geschmacklichen Qualität auch Innovation, Preis und Verfügbarkeit. So viel vorweg: Bronze sicherte sich Australien, Silber ging an Frankreich und Gold an die USA.
Argentinien, Italien und Kalifornien in den Top 10
Auf Rang zehn landete mit 95 Punkten der Malbec Mendoza Finca Bella Vista 2010 von Achával-Ferrer. Der Wein stammt aus 100 Jahre alten Rebstöcken, die in fast 1000 Metern Höhe wachsen. Star-Winzer Roberto Cipresso wirft nur geringe Mengen auf den Markt, meist sind es weniger als 14 Hektoliter je Hektar. Der Wein reift 15 Monate in brandneuen französischen Eichen-Fässern. Platz neun eroberte sich ein Wein, den Sie auch beim nächsten Ausflug in die Toskana einkaufen können: Der Brunello di Montalcino 2007 von Ciacci Piccolomini d’Aragona. >>
Das Weingut wird von den Geschwistern Lucia und Paolo Bianchini betrieben, es bringt mit seinen in Südwest-Lage ausgerichteten Weinbergen stets beste Weine hervor, der zwei Jahre in slowenischer Eiche ausgebaut wird. Johannisbeere und Nougat, schwarze Beeren und Pflaumen umschmeicheln bei diesem muskulösen Wein Nase und Gaumen.
94 Punkte und der achte Platz für den Cabernet Sauvignon Knights Valley Reserve 2009 von Beringer. Gekeltert im Knights Valley in Sonoma County, einige Meilen entfernt vom berühmten kalifornischen Napa. Dieser Wein ist hierzulande nur schwer aufzutreiben.
Auf die Sieben schaffte es der Pinot Noir Willamette Valley Shea Vineyard Estate 2009 von Shea, er erhielt 94 Points. 1989 verließ Dick Shea die Wall Street, er konzentrierte sich im Weinbau auf Spätburgunder und Chardonnay. Seit 1996 produziert er seinen eigenen Wein. Für den Estate 2009 lieferten Sprösslinge aus Pommard, Wädenswil und Dijon die Reben. >>
95 Punkte hievten den St.-Julien 2009 aus dem Château Léoville Barton auf die Sechs. Das traditionsreiche Weingut aus Bordeaux produziert seit 1836 Wein. Patriarch Anthony Barton übernahm das Gut im Jahr 1983 von seinem Onkel, worauf sich die Qualität erheblich verbesserte. Seit kurzem hält Tochter Lilian Barton Sartorius die Zügel in der Hand. Der von Cabernet Sauvignon dominierte Blend wird 18 Monate in Eichenfässern ausgebaut, von denen die Hälfte neu sind. Kenner loben den dichten Geschmack nach Bromberen, Zedernholz, Tabak und Gewürzen.
Auf Rang Fünf endlich ein Weißwein mit 96 Zählern: Der Sauternes 2009 aus dem Château Guiraud ist ein Mix aus 65 Prozent Sémillon und 35 Prozent Sauvignon Blanc. Der Edelsüße wird aus 35 bis 40 alten Weinen gemixt. Teilhaber in dem edlen Weingut ist seit 2006 der Automobil-Industrielle Robert Peugeot. Der Wine Spectator bezeichnet das Jahr 2012 als besten Jahrgang seit 2001 für Vintage-Süßweine.
Satte 98 Punkte und trotzdem nur Rang Vier schaffte der Châteauneuf-du-Pape 2010 aus dem Weingut Clos des Papes im Rhône-Tal. Der massive Wein hievte das Gut der Familie Avril zum sechsten Mal in die Top-100-Liste des Magazins, 2007 stellte es sogar den Wein des Jahres. Der edle Trank ist ein Mix aus 80 Prozent Grenache, je zehn Prozent sind Syrah und Mourvèdre.
Die Bronze-Medaille erkämpfte sich der Shiraz Barossa Valley Bella’s Garden 2010 aus dem Weingut Two Hands im Barossa Valley in Australien. Verarbeitet wurden sechs verschiedene Shiraz-Weine aus 20 verschiedenen Weinbergen. Die komplexe Fruchtnote wird in französischen Hogshead-Barrels bewahrt – das sind Fässer mit 300 Litern Inhalt. Kenner loben das Aroma von roten Früchten Zimt, Lakritz und Gewürzen mit Pflaume, Teer (!) und Schokolade.
Auf dem zweiten Platz ein uralter Wein zum bezahlbaren Preis: Der Gigondas 2010 Château de St.-Cosme aus dem Rhône-Tal erzielte 95 Punkte. Verarbeitet wurden Weine, die im Schnitt 60 Jahre alt sind – das Land ist seit 1490 im Besitz der Familie Barruol. Schon in der 14. Generation keltert der Clan beste Weine. Gekeltert wurden 60 Prozent Grenache, der Rest besteht zu gleichen Teilen aus Syrah and Mourvèdre. Der Wine Spectator bezeichnet den Gigondas als Top-Marke des Weingutes. >>
Die Goldmedaille geht in die USA. Der Wein mit dem ungewöhnlichen Namen Relentless – das steht für unerbittlich oder unnachgiebig – hat sich mit 96 Punkten die Krone des Wine Spectator gesichert. Der Relentless Napa Valley 2008 von den Shafer Vineyards ist ein Mix aus Syrah und Petite Syrah. Den ersten Wein bauten Gründer John Shafer und sein Sohn Doug im Jahr 1978 an. Die Trauben stammen alle aus dem Stags Leap District, das sind Weingärten entlang des Silverado Trails. Dieses Gebiet wurde als erste offizielle Appellation Kaliforniens offiziell anerkannt, es gilt als das beste Cabernet-Terroir Californiens. Im Bordeaux wäre dies ein Premier Cru.
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Komplexes fruchtiges Aroma
Den jetzigen Siegerwein benannten die Shafers zu Ehren von Elias Fernandez – der Sohn eines Wanderarbeiters hilft der Familie seit 28 Weinlesen unablässig bei der Steigerung der Qualität. Der Wein wird 30 Monate in neuen französischen Eichenfässern ausgebaut, die Tester loben das komplexe fruchtige Aroma und die nahezu perfekten Bedingungen des Weinjahres 2008. Zum zweiten Mal in den vergangenen drei Jahren wurde damit ein Wein Jahressieger, der aus Kalifornien stammt und sich von der Rhône inspirieren lässt.
Damit der Ausbau Ihres Weinkellers für Sie keine unablässige Anstrengung wird, haben wir in unserer Foto-Show die Quellen für die edlen Tropfen genannt – sofern hierzulande verfügbar.
Quelle: Frank Lansky, wanted.de
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