28.09.2012, 8:14 Uhr | th (CF)
Klassentreffen sind nicht jedermanns Sache. Anders bei den automobilen Klassikern. In Pebble Beach findet alljährlich das Klassentreffen der Oldtimerszene statt und die ausgestellten Modelle werden immer schöner.
Man kann es nicht anders sagen, aber: Früher war alles besser. Zumindest im Automobilbau. Mit wie viel Eleganz und Esprit sind doch die Klassiker des motorisierten Verkehrs gesegnet. Kein Vergleich zu ihren zeitgenössischen Nachfahren. Während heute so vieles steril und seelenlos wirkt, glänzen und strahlen die alten Modelle noch heute. Ihre lässige und schnörkelige Formgebung sticht einfach die kühle Funktionalität der heutigen Modelle aus, bei der alles am rechten Fleck sitzt. Jedenfalls ist der Concours d'Elegance das Mekka der Oldtimerfans. Seit 1950 strömen alljährlich Tausende zu diesem Klassiker der Blechbeschauung. Und das bei stolzen Eintrittpreisen von knapp 400 Dollar. Dabei ist der Preis keineswegs deshalb so hoch, weil die Organisatoren so viel investieren müssten, um die Oldtimer-Fans aus aller Welt zur weiten Fahrt ins kalifornische Pebble Beach zu animieren. Nein, auch die stolzen Oldtimer Besitzer aus Asien, Australien und Europa begreifen es als große Ehre, zu diesem Treffen eingeladen zu werden. Denn nur etwas mehr als 200 Wagen nehmen alljährlich am Concours d'Elegance teil. Und für manchen ist es der Höhepunkt des Autolebens: Denn wer einmal den Klassiker gewinnt, darf nie wieder teilnehmen.
Natürlich ist der Concours d'Elegance über die Jahre zu einem kommerziellen Event geworden. Nicht nur werden die Oldtimer ausgestellt, prämiert und bisweilen versteigert, auch präsentieren viele Hersteller ihre brandneuen Produkte aus dem Luxus- und Sportwagensegment. Gleichzeitig übernehmen die Konzerne auch das Sponsoring. Auf der anderen Seite bedeutet es für die Besitzer der Oldtimer nicht nur einen Prestigegewinn, am Concours d'Elegance teilzunehmen, sondern im Falle einer Auszeichnung in einer der rund zwanzig Kategorien, auch eine immense Wertsteigerung ihres Fahrzeugs. Insofern dient der hohe Eintrittspreis eigentlich nur dazu, eine gewisse Exklusivität der Veranstaltung sicherzustellen. Wäre doch zu schade, wenn sich auch der eine oder andere Prolet dahin verirren würde und aus Versehen mit seinem Schlüssel die blank polierten Türen entlangkratzt, Jaguare oder Mercedessterne abbricht und so weiter. Jedenfalls wird der gesamte Erlös der Veranstaltung am Pebble Beach wohltätigen Zwecken gespendet. Ein Klassiker im Klassiker. Wäre doch gelacht, wenn man damit keine Projekte finanzieren könnte, die Jugendliche vom Weg des Vandalismus wieder abbringen.
Doch natürlich stehen die Autos am Strand von Pebble Beach nicht einfach nur untätig herum. Schließlich ist Pebble Beach nicht nur ein Golfplatz, auf dem man gepflegt Oldtimer parken kann, sondern liegt auch noch in unmittelbarer Nachbarschaft zu Monterey, wo das jährliche Oldtimer-Straßenrennen ausgetragen wird. Dann zeigt sich ziemlich schnell, ob die Besitzer echte Liebhaber sind und etwas vom Fach verstehen oder ob sie ihren Oldtimer nur als Wertanlage gekauft haben – denn tatsächlich gelten Oldtimer mittlerweile als sicherere Geldanlage als Gold. So berichtet auch Edward Herrmann, der bekannte Hollywood Schauspieler und Showmaster des Concours d'Elegance, dass es dort auch so einige Klassiker der anderen Art gibt: Jähzornige Besitzer, die ohne Fachkenntnis ihren Mechaniker zur Schnecke machen, oder aber auch Besitzer mit jeder Menge Fachkenntnis, die gerne Originalbaupläne aus der Tasche ziehen und dann die Juroren ob ihrer Unkenntnis zur Schnecke machen. Aber Herrmann weiß auch: Die meisten Besitzer sind Gentleman – und betrinken sich einfach auf der After Show Party, wenn es nichts mit dem ersten Preis geworden ist.
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