17.09.2011, 15:46 Uhr | Frank Lansky
Mit dem traditionellen Ruf "O'zapft is" hat Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) das 178. Oktoberfest eröffnet. Ude brauchte nur zwei Schläge, um den Zapfhahn in das erste Fass mit Wiesn-Bier zu treiben. Die erste Maß Bier bekam nach altem Brauch Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU). wanted.de hat sich bei Insidern in München genauer umgehört. In unserer Foto-Show zeigen wir die besten Zelte und die schönsten Trachten.
Am Anfang der ganz speziellen Münchener Jahreszeit stand die Hochzeit des Kronprinzen Ludwig von Bayern mit Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen. Am 12. Oktober 1810 feierte das Königreich die Vermählung des Jahrhunderts. Genau deswegen erhielt der Festplatz den Namen "Theresienwiese". Die Tradition, die vor 201 Jahren begann, wurde immer wieder durch Kriege unterbrochen. Grund genug für die Münchener, sich an die guten, alten Zeiten ihrer Tradition zu erinnern.
Geheimtipp: Die "Oide Wiesn"
So ist einer der Höhepunkte das historische Oktoberfest – die "Oide Wiesn". Aufgebaut ist sie wie früher mit Pferden, Kutschen und sehr alten Fahrgeschäften, dazu gibt es prima Essen. Da auf dem kleinen, abgetrennten Areal ein paar Euro extra zu zahlen sind, ist die "Oide Wiesn" ruhiger. Die Historien-Show hat sich noch nicht bei allen Touristen herumgesprochen. >>
Turbulenter geht es in den Festzelten zu. Wer reservieren will, der sollte bei den Top-Zelten etwa ein Jahr im Voraus anrufen. In der Regel verlangen die Zelte eine Mindestabnahme von 10 bis 20 Maß Bier und 10 Hendl, das kostet zusammen etwa 200-300 Euro.
Sitzplätze werden auf Ebay versteigert
Auf Ebay werden auch Plätze angeboten, die mitunter 1.000 Euro und mehr kosten – doch Vorsicht, hier tauchen immer mehr Betrüger auf!
Echte Münchener Kenner lassen die Sache sowieso ruhiger angehen – vor und nach dem Oktoberfest locken die Sonderpreise der Festzelt-Kantinen. Dort wird für die Arbeiter während dem Auf- und Abbau bestes Bier zu fairen Preisen ausgeschenkt. Offiziell sind die Kantinen nur für die Bauarbeiter mit Ausweis da. >>
Darauf weisen diverse Schilder hin. Aber manchmal lassen die Wirte "Fünfe Grade" sein und schenken auch ein süffiges Helles an Zaungäste aus. Kenner setzen auf die Augustinerkantine: Die zeichnet sich durch einen besonders schönen Blick auf die Paulskirche aus.
Augustiner für die Bayern – Hacker für enthemmte Touris
Überhaupt halten viele Münchener das Augustiner Festzelt wegen des Bieres für das beste auf der Wiesn. Die Gäste sind zu 90 Prozent Bayern, die Schar der Gamsbärte, Lederhosen und prall befüllten Dirndl-Dekolletés ist schier unüberschaubar. Der Grund für den heimischen Zuspruch: Das Zelt von Augustinerbräu ist das letzte der großen Brauereizelte, das noch aus großen 200-Liter-Holzfässern und nicht aus Stahlcontainern ausschenkt. Das Bier aus den sogenannten "Hirschen" ist eine Klasse für sich. Interessierte Genießer sollten nach dem Augustiner-Turm mit dem Bierfasslager und Holzfassaufzug Ausschau halten.
Wer es eher international mag, der sollte bei Hacker einkehren. Eingeschworene Münchener lieben die Show, die nicht trinkerfahrene Ausländer nach einer Weile vorlegen. Uns sind einige heiße Fabeln über Paare zu Ohren gekommen, die sich halbnackt unter den Tischen vergnügt haben sollen. Ansonsten treffen sich bei Hacker bei fetziger Musik eher die jüngeren Jahrgänge. In dem wunderschön dekorierten Zelt werden aufgehitzte Gemüter neuerdings durch ein "Cabrio-Dach" mit frischer Luft abgekühlt. Und über all dem unanständigen Treiben wacht "Aloisius", der aber natürlich beide Augen zudrückt. Wer ihn nicht kennt: Aloisius ist ein bayrischer (B)Engel, der von Ludwig Thomas als "Ein Münchner im Himmel" verewigt wurde.
Über das beste Essen gehen die Meinungen auseinander – was kein Wunder ist, denn die famose bayerische Tafel schmeckt ja sowieso überall prima. Unsere Insider empfahlen uns das Weinzelt von Käfer und die Knödelei.
Bei Käfer und im Hippodrom schwofen die Promis
In Käfers Wiesenschenke sind auch die meisten Promis zu treffen, sie hat neben dem Weinzelt am längsten geöffnet. Doch Achtung: Ohne vorherige Reservierung ist der Besuch ziemlich zwecklos.
Auch im Hippodrom drängelt sich die Prominenz, hier gibt es den letzten großen Raucherbalkon der Wiesn. Der befindet sich genau über der "Wawi"-Box, in der sich Promis gerne abschotten und durch den Hintereingang unbemerkt ins Zelt schlüpfen. Auch Paris Hilton war auf ihrer Werbetour für Dosen-Prosecco vor fünf Jahren hier gesichtet worden. >>
Jedes Jahr wieder ist der Szene-Treff sehr geschmackvoll und liebevoll geschmückt und dekoriert und zu jeder Tageszeit gut gefüllt. Abends an der Cocktailbar des Hippodrom ist der Wiesn-Flirtfaktor am höchsten. Zum Anbandeln und Abschleppen empfiehlt sich ansonsten auch die Website www.wiesn-liebe.com.
Zur Afterwiesn-Party ins "Substanz"
Das Netzwerk für Oktoberfestfans ist auch ein prima Marktplatz für einen nüchternen Blick auf die jüngste Wiesn-Bekanntschaft am Tag danach. Für die Afterwiesn-Party hat sich in den vergangenen Jahren der Indie-Club "Substanz" in der Ruppertstraße empfohlen. Er ist nur einen Katzensprung von der Theresienwiese entfernt.
Als wichtigstes Event für den Tag empfehlen alteingesessene Münchener übereinstimmend den Einzug der Wiesn-Wirte. Zur Eröffnung des Oktoberfests sind die geschmückten Pferdewagen mit den Bierfässern ein echtes Ereignis. Wer es schafft, muss unbedingt in den Schottenhamel zum Anstich.
Die passende Tracht ist Pflicht
Natürlich sollten auch Nicht-Bayern stets im passenden Outfit auflaufen. Für eine gute Lederhose sind mindestens 400 Euro einzuplanen, eine Lodenjacke kostet ebenso viel. Pünktlich zur Wiesn präsentierte Boss Black seine "Wiesn & Wasen Kollektion". Highlight ist die klassische Lederhose aus handschuhweichem Ziegenleder, getragen mit Karohemd, Hut und Schal.
Münchener schwören ansonsten auf Hirmer in der Münchener Innenstadt, dort gibt es alle Preisklassen, vom Schweins- bis zum Lammleder. Dringender Rat eines Münchener Brokers: „Lederhosen bitte nur bis zu den Knien, also als kurze Hose“. Alles andere wäre verweichlicht. Weiter empfahl er uns noch Angermaier für Trachten. Am edelsten ist Loden-Frey gegenüber dem Luxus-Hotel Bayrischer Hof. Dort gibt es auch die angesagtesten Dirndl – die Preise bewegen sich von 300 bis 2600 Euro.
Quelle: Frank Lansky, wanted.de
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