28.09.2012, 8:14 Uhr | cb (CF)
Der McLaren X-1 ist ein Konzeptauto im Batmobil-Style. Er ist eine Sonderanfertigung, von dem es nur ein Exemplar gibt. Käufer und Preis sind natürlich streng geheim. Ist das nur ein neuer Trend der Superreichen? Oder ist es gar Kunst?
Francis Ford aus Aldous Huxleys "Schöne neue Welt" kommandierte noch Heerscharen von Arbeitern, die am Fließband Automobile verschweißten und zusammenschraubten, um danach nach Hause zu pendeln, mit den Massen der übrigen Werktätigen im Stau zu stehen – und zu Hause endlich, endlich das köstliche Soma zu konsumieren. Wahrlich, eine schöne neue Welt, die da in den Dreißigern vorhergesagt wurde. Vor allem so sinnlos. Auch für Francis Ford. Was macht man in so einer Welt bloß mit seinem Reichtum? Da braucht es doch ein Konzept! Nun gut, und das hatte ein unbekannter Francis Ford der Gegenwart tatsächlich. Er klopfte eines Tages bei McLaren an und fragte: "Mit was für einem Auto würde ein Superheld am Feierabend in die Oper fahren?" Und da war er, der Funken, mit dem Gott Adam in Leonardo da Vincis Fresko beseelt. Die Geburt der Individualität aus der Masse, die Kunst, die sich aus der Serienfertigung erhebt. Waren Autos ein Jahrhundert lang Symbol der Massenfertigung, bricht jetzt das Zeitalter der exquisiten Einzelstücke an. Damit werden Autos kunstfähig. Und astronomisch große Vermögen wieder etwas sinnvoller: Stiftet ein individuelles Auto doch zweifelsohne einen ganz besonderen persönlichen Mehrwert.
Zwar geht der Trend schon länger zu einer Anpassung von Serienfahrzeugen an die individuellen Wünsche des Kunden, doch Derartiges ist dann doch neu. Zwar setzt auch Ferrari schon seit einiger Zeit auf das Konzept der Einzelanfertigung, vornehmlich für schwerreiche Asiaten, doch war bisher noch nichts über ein Auto im Superhelden-Stil bekannt. Natürlich basiert auch der McLaren X-1 auf einem konventionellen Modell, nämlich auf dem Supersportwagen 12C. Mit ihm teilt er seinen V8-Mittelmotor mit 625 PS, der in 3,3 Sekunden von null auf hundert beschleunigt und eine Spitzengeschwindigkeit von 320 km/h erreicht. Auch das Gewicht ist mit 1.400 Kilogramm nahezu gleich geblieben. Nur die Karosserie hat sich eben völlig verändert. Sie ist durchgehend aus Karbon gefertigt - und damit besonders leicht formbar. Von dieser Elastizität haben die Designer, die mit ihren verschiedenen Konzepten selbstverständlich erst einen Wettbewerb ausfechten mussten, bevor ein gewisser Hong Yeo den Zuschlag für den McLaren X-1 erhielt, ausgiebig Gebrauch gemacht. Besonders die Zinnen, die die Hinterräder verdecken, und das Heck mit prägnantem Lufteinzug und Auspüffen ragen heraus.
Natürlich haben die Designer des McLaren X-1 aus einer Vielzahl an unterschiedlichen Konzepten geschöpft. So haben sie sich an klassischen Oldtimern (signifikant vor allem an den Schwingtüren des Zweisitzers) wie dem Mercedes 540 K von 1939, dem Chrysler D'Elegance Ghia von 1953 und dem Citroen SM von 1971 orientiert. Auch gab der solvente Kunde einiges darüber preis, was er persönlich außer Superhelden im Designbereich noch inspirierend findet. Neben den Guggenheim Museen zählen dazu auch der Art-Déco-Stil, Schwarz-Weiß-Fotografien von Audrey Hepburn – und Auberginen. Das mag kurios klingen, doch macht sich im ganzen Konzept des McLaren X-1 dieses organische Element positiv bemerkbar. Auch entsteht Kunst bekanntlich unter anderem aus dem Zusammenspiel unterschiedlicher Einflüsse und Elemente. Und da hat der Auftraggeber sicherlich ein gutes Gespür gezeigt. Nur die Innenausstattung des McLaren X-1 fiel dann doch spartanisch schlicht aus. Ein echter Superheld braucht eben keinen Luxus. Er genießt den Luxus, er selbst zu sein. Und das ist schon Kunst genug.
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