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Kommando Spezialkräfte (KSK): Die Schattenkrieger der Deutschen Marine

Die Schattenkrieger der Deutschen Marine

17.08.2012, 12:33 Uhr | Olaf Kanter

Die vielleicht härtesten Jungs der Bundeswehr: Kampfschwimmer der Marine. (Quelle: Bundeswehr/ PIZ Marine)

Die vielleicht härtesten Jungs der Bundeswehr: Kampfschwimmer der Marine.

(Quelle: Bundeswehr/ PIZ Marine)
Geiselbefreiung, Kampf hinter feindlichen Linien, Rettungseinsätze - das sind die Operationen, bei denen die Kampfschimmer der deutschen Marine zum Einsatz kommen. Ihre Spezialität: die unbemerkte Annäherung an den Feind. (Quelle: Bundeswehr / PIZ Marine)

Geiselbefreiung, Kampf hinter feindlichen Linien, Rettungseinsätze - das sind die Operationen, bei denen die Kampfschimmer der deutschen Marine zum Einsatz kommen. Ihre Spezialität: die unbemerkte Annäherung an den Feind.

(Quelle: Bundeswehr / PIZ Marine)
Deutsche Kampfschwimmer bei einer Übung in der Eckernförder Bucht: Schwimmer heißen sie, weil der Schwerpunkt ihrer Ausbildung im Wasser liegt. Eingesetzt werden sie triphibisch, wie die Bundeswehr es formuliert: Sie kommen von See, kämpfen an Land oder springen mit dem Fallschirm über dem Einsatzgebiet ab. (Quelle: Bundeswehr / PIZ Marine)

Deutsche Kampfschwimmer bei einer Übung in der Eckernförder Bucht: Schwimmer heißen sie, weil der Schwerpunkt ihrer Ausbildung im Wasser liegt. Eingesetzt werden sie triphibisch, wie die Bundeswehr es formuliert: Sie kommen von See, kämpfen an Land oder springen mit dem Fallschirm über dem Einsatzgebiet ab.

(Quelle: Bundeswehr / PIZ Marine)
Festrumpfschlauchboot der Marine: Zu einem Einsatzteam der Kampfschwimmer gehören 16 Mann.  (Quelle: Bundeswehr / PIZ Marine)

Festrumpfschlauchboot der Marine: Zu einem Einsatzteam der Kampfschwimmer gehören 16 Mann.

(Quelle: Bundeswehr / PIZ Marine)
Kampfschwimmer beim Training im Hallenbad: Die meisten Kandidaten scheitern bei den Apnoe-Übungen, also dem Tauchen ohne Gerät. Brutal sind Mutproben wie das simulierte Ausschleusen aus einem Torpedorohr, bei dem die Soldaten - ohne Atemgerät - in einem engen Rohr stecken, das langsam geflutet wird.  (Quelle: Bundeswehr / PIZ Marine)

Kampfschwimmer beim Training im Hallenbad: Die meisten Kandidaten scheitern bei den Apnoe-Übungen, also dem Tauchen ohne Gerät. Brutal sind Mutproben wie das simulierte Ausschleusen aus einem Torpedorohr, bei dem die Soldaten - ohne Atemgerät - in einem engen Rohr stecken, das langsam geflutet wird.

(Quelle: Bundeswehr / PIZ Marine)
Übung für angehende Kampfschwimmer: Im Kampfanzug und mit Bleigewichten um die Hüften gehen die Soldaten auf einen "Unterwasserlauf" - ohne Atemgerät.  (Quelle: Bundeswehr / PIZ Marine)

Übung für angehende Kampfschwimmer: Im Kampfanzug und mit Bleigewichten um die Hüften gehen die Soldaten auf einen "Unterwasserlauf" - ohne Atemgerät.

(Quelle: Bundeswehr / PIZ Marine)
Kampfschwimmer an der Eckernförder Bucht: Abschluss der Freiwasserausbildung ist das 30-Kilometer-Schwimmen - mit kompletter Ausrüstung.  (Quelle: Bundeswehr / PIZ Marine)

Kampfschwimmer an der Eckernförder Bucht: Abschluss der Freiwasserausbildung ist das 30-Kilometer-Schwimmen - mit kompletter Ausrüstung.

(Quelle: Bundeswehr / PIZ Marine)
Es folgen die Ausbildung zum Einzelkämpfer und Fallschirmspringer, der Überlebenslehrgang, Sprengstoffkunde. Auch der Umgang mit Quads wird trainiert. (Quelle: Bundeswehr / PIZ Marine)

Es folgen die Ausbildung zum Einzelkämpfer und Fallschirmspringer, der Überlebenslehrgang, Sprengstoffkunde. Auch der Umgang mit Quads wird trainiert.

(Quelle: Bundeswehr / PIZ Marine)

Sie befreien Geiseln, kämpfen hinter den feindlichen Linien: In Zeiten des Guerilla-Kriegs werden Spezialtruppen wie die Kampfschwimmer der Marine für die Bundeswehr immer wichtiger. Auswahl und Training fordern von den Soldaten alles. Besuch bei der Elitetruppe.

Das Ziel ist das Hochhaus im Norden der Stadt. "Gebäude klären und Feind neutralisieren" lautet der Auftrag. Hauptbootsmann Lauf (Name von der Redaktion geändert) hat sich einen kleinen Zweig abgebrochen und zeigt damit auf das Satellitenfoto zu seinen Füßen. "Die Region hier im Süden: unsafe. Da hat es lange keine Bewegung gegeben, wir gehen davon aus, dass alles vermint ist." Der Zweig fährt die Hauptstraßen des Orts entlang.

"Den Weg könnt ihr frei wählen, der Hubschrauber kann hier im Osten runter. Der Wald im Norden: Insurgents, wir wissen nicht, wie viele."



Insurgents, das sind die Feinde, mit denen die Bundeswehr heute kämpft. Die Strategen sprechen vom asymmetrischen Krieg.

Ein militärisch unterlegener Gegner stellt sich nicht dem offenen Gefecht, er attackiert aus dem Hinterhalt, zieht sich sofort wieder zurück. Die Taliban agieren so, Milizen in Afrika, auch die Piraten vor der somalischen Küste.

Massive Feuerkraft nützt in diesen Fällen kaum; das Risiko ist für die Bevölkerung viel zu groß - und der Gegner so nicht greifbar.

Die Bundeswehr trainiert Spezialeinheiten für diesen neuen Krieg - das Kommando Spezialkräfte (KSK) des Heeres und die Kampfschwimmer der Marine. Wie die Navy Seals der Amerikaner sollen diese Einheiten den Feind mit den eigenen Waffen bekämpfen - unentdeckt anrücken, schnell und präzise zuschlagen und sich sofort wieder zurückziehen.

Hauptbootsmann Lauf und seine Leute gehören zu den Kampfschwimmern. Im Kalten Krieg sah ihr Einsatzszenario noch so aus: Eine Bedrohung unmittelbar an der Grenze, Kampfschwimmer werden über oder unter Wasser auf der anderen Seite eingeschleust, um Ziele auszuspähen, Hafenanlagen oder Schiffe zu sprengen, gezielt Gegner auszuschalten. Dienst war Vorbereitung auf den Ernstfall.

Heute sind die Kampfschwimmer im Prinzip permanent im Einsatz - oder auf Stand-by.

Sie müssen jederzeit mit dem nächsten Marschbefehl rechnen.

Einsatzgebiet der in Eckernförde stationierten Spezialkräfte der Marine ist dabei längst nicht mehr nur die See. Die Kampfschwimmer werden heute triphibisch ausgebildet und eingesetzt, wie es die Bundeswehr nennt. Sie operieren von See aus, an Land oder springen per Fallschirm über ihrem Einsatzgebiet ab.

Ihre Aufgaben lauten asymmetrische Kriegsführung, Evakuierungs- und Rettungseinsätze, Aufklärung und Kampf hinter den feindlichen Linien.



Häuserkampf in Brandenburg



Jetzt üben sie Häuserkampf auf dem Truppenübungsplatz Lehnin bei Potsdam. Die Ortskampfanlage 1 heißt im Übungsszenario Rauhberg. Zwei Hauptstraßen, rund 70 Häuser, darunter auch das Gerichtsgebäude, in dem sich die Gegner verschanzt haben. "Häuser" ist geprahlt, es gibt nur nackten Beton, Dächer und Türen. Hinter den Fensterhöhlen lauert der Feind: per Fernsteuerung ausklappbare Scheiben, die Heckenschützen simulieren und bekämpft werden müssen.

Abmarsch aus dem Camp. 16 Mann, schwer beladen mit Waffen und Ausrüstung, an die 30 Kilogramm schultert jeder im Schnitt. Die Männer operieren in Viererteams, jeder übernimmt im Einsatz Spezialaufgaben, als Scharfschütze, Funker, Sanitäter oder Breacher, der am Zielort die Türen knackt. Das Gewehr "low ready" - Finger vor dem Abzug, Mündung auf den Boden gerichtet - geht es los.



Im Schutz der Häuserzeilen pirschen sich die Kampfschwimmer an das Zielgebäude heran. Die Gegner bemerken nicht, wie unten an der Tür eine Sprengladung angebracht wird. Ein Knall, das erste Team geht rein, es fallen Schüsse. Die Kampfschwimmer verwenden PT-Munition. P wie Plastik, T wie Training, der Geschosskopf fliegt nicht so weit wie bei Gefechtsmunition. Auf kurze Distanz ist er trotzdem tödlich.

Hartes Training, geheime Einsätze



Rund 200.000 aktive Soldaten hat die Bundeswehr zurzeit, zu den Kampfschwimmern zählen gerade einmal drei Einsatzteams à 16 Mann, und das liegt nicht an einem Mangel an Bewerbern. Die Anforderungen an diese Spezialisten sind hart, ein extremes Auswahlverfahren soll dafür sorgen, dass nur Leute dabei sind, die auch außergewöhnliche Strapazen aushalten - physisch wie psychisch.

Die meisten Kandidaten scheitern bei den Apnoe-Übungen im Hallenbad, also dem Tauchen ohne Gerät. 50 Meter Streckentauchen sind nur der Anfang, drei Minuten Luftanhalten muss jeder schaffen. Brutal sind dann Mutproben wie das Tauchen mit gefesselten Armen und Beinen oder das simulierte Ausschleusen aus einem Torpedorohr, bei dem die Soldaten - ohne Atemgerät - in einem engen Rohr stecken, das langsam geflutet wird. Abschluss der Freiwasserausbildung: 30 Kilometer Schwimmen in der Eckernförder Bucht - mit kompletter Ausrüstung. Es folgen die Ausbildung zum Einzelkämpfer und Fallschirmspringer, der Überlebenslehrgang, Sprengstoffkunde.

Im Ausbildungsjahr 2011 traten 48 Kandidaten an, sechs wechselten später zu den Minentauchern. Der Rest gab auf oder wurde nach Hause geschickt. Motto: besser keine neuen - als Soldaten, die dem extremen Druck nicht gewachsen sind.

Zwei Drittel von Laufs Leuten haben ihn schon im Einsatz erlebt. Kfor? Isaf? Atalanta? Das sagen sie nicht. Einsätze der Spezialkräfte "sind geheimhaltungswürdig und -bedürftig", heißt es lapidar in der Antwort der Regierung auf eine Anfrage im Bundestag. Die Bundeswehr macht keine Angaben zu aktuellen Operationen. Bestätigt wird einzig die Information, dass Spezialkräfte der Marine seit Frühjahr dabei sind, wenn vor Somalia Schiffe kontrolliert werden. Opposed Boarding, also der Besuch ohne Einladung, ist ein Fall für Kampfschwimmer. Auch die Befreiung von Geiseln haben sie trainiert und angeblich Sabotage-Aktionen gegen die Mutterschiffe der Piraten.



Lesen Sie mehr im zweiten Teil über die Spezialeinheit der Deutschen Marine.

Quelle: Olaf Kanter, Spiegel Online

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