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Jaeger-LeCoultre Reverso: 80 Jahre Zeitenwende

80 Jahre Zeitenwende

28.08.2012, 12:22 Uhr | Frank Lansky

Jaeger-LeCoultre Reverso (Quelle: Hersteller)

Jaeger-LeCoultre Reverso

(Quelle: Hersteller)

Sie gehört zu den edlen Armbanduhren, die das Herz von Uhren-Kennern höher schlagen lassen: Die Reverso von Jaeger-LeCoultre ist ein Klassiker, der mittlerweile auf eine acht Jahrzehnte lange Erfolgsgeschichte zurück blickt. Die Uhr ist wegen ihres Understatements, der klaren Linie und wegen der genialen Idee der vielfältigen persönlichen Gestaltungsmöglichkeiten gefragt. Und nicht zuletzt wegen der schützenden Wendetechnik, in die der Hersteller immer ausgeklügeltere Finessen eingebaut hat.

Jaeger-LeCoultre kleckert nicht, sondern klotzt: Die traditionsreiche Schweizer Uhren-Manufaktur hat zum 80. Geburtstag seines Spitzenmodells Reverso in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires ein Polo-Match ausgerichtet. Als Schauplatz der Benefiz-Veranstaltung wählte die 1833 gegründete Luxusmarke den Hurlingham Club. Mit jedem Treffer erhöhte sich die Summe, die dem Christian Family Polo Movement überwiesen wurde, das ist eine Einrichtung, die örtliche Schulen für Kinder aus armen Familien unterstützt. Am Ende der Partie kamen so insgesamt 10.000 Dollar zusammen. Das Unternehmen kehrte mit dem Benefiz-Match zum Ursprung aller Dinge zurück: Im Jahr 1931 hatte das Haus Jaeger LeCoultre das Modell Reverso aus der Taufe gehoben, um Offizieren der britischen Armee in Indien eine Uhr bieten zu können, die den Strapazen des Polo-Spiels gewachsen war.

Das Hockey auf dem Rücken der Pferde ist übrigens ein recht alter Sport, er soll schon 600 vor Christus in China und in Persien die Reiterheere begeistert haben. In den Dreißigern drehten sich in den mehr als 150 Polo-Clubs auf dem indischen Subkontinent die Diskussionen der Gentlemen nicht nur um die besten Ponys. Beim Sundowner waren auch Tipps über die passenden Accessoires gefragt. Vor allem die gerade modernen Armbanduhren bereiteten immer wieder Probleme: Sie waren zwar praktischer als Taschenuhren, die ein Spieler beim Galopp erst umständlich hervor nesteln musste.

Die Grande Reverso Duo zeigt auf zwei Rücken an Rücken liegende Zifferblättern unterschiedliche Zeitzonen an. (Foto: Jaeger-LeCoultre)

Die Grande Reverso Duo zeigt auf zwei Rücken an Rücken liegende Zifferblättern unterschiedliche Zeitzonen an. (Foto: Jaeger-LeCoultre)

Die Formen der Grande Reverso Ultra Thin inspirieren sich am Art déco. (Foto: Jaeger-LeCoultre)

Die Formen der Grande Reverso Ultra Thin inspirieren sich am Art déco. (Foto: Jaeger-LeCoultre)

Die Grande Reverso Ultra Thin Tribute to 1931 (Foto: Jaeger-LeCoultre)

Die Grande Reverso Ultra Thin Tribute to 1931 (Foto: Jaeger-LeCoultre)

Die Grande Reverso Ultra Thin in Edelstahl (Foto: Jaeger-LeCoultre)

Die Grande Reverso Ultra Thin in Edelstahl (Foto: Jaeger-LeCoultre)

Die Reverso von 1931 (Foto: Jaeger-LeCoultre)

Die Reverso von 1931 (Foto: Jaeger-LeCoultre)

Doch beim harten Sport war die Armbanduhr ständig zerschmettert. Die damals gebräuchlichen Schutzgitter über dem Uhrglas waren auch keine Lösung, sie waren nicht nur äußerst unansehnlich, sondern auch schnell verschmutzt, weil sich im Match der Dreck dort ansammelte.

Zeitenwende mit Patent vom 4. März 1931

Als der Uhrenimporteur César de Trey im Jahr 1930 Britisch-Indien besuchte, hielt ihm ein Offizier nach dem Polomatch das Wrack seiner Armbanduhr unter die Nase – der Schweizer solle sich doch gefälligst um eine Lösung dieses Problems kümmern. Gesagt, getan - in Europa berichtete de Trey seinem Geschäftspartner Jacques-David LeCoultre über die Nachfrage der Commonwealth-Offiziere. Der aus Paris stammende Ingenieur René-Alfred Chauvot hatte schließlich die umwälzende Idee mit dem drehbaren Uhrengehäuse. Am 4. März 1931 meldete er sein Patent an für „eine Uhr, die in der Lage ist, aus ihrem Gestell zu gleiten und sich ganz umzudrehen“. Das strikte und elegante Art-Deco-Design fasziniert noch heute die Puristen unter den Uhren-Liebhabern. Natürlich musste das Prachtstück vor 80 Jahren britisches Understatement gepaart mit einem gewissen kosmopolitischen Chic ausstrahlen. Das strikte und elegante Art-Deco-Design fasziniert noch heute die Puristen unter den Uhren-Liebhabern. Nicht nur die eckige Form, auch der Anspruch der Unzerbrechlichkeit gilt nach wie vor: Obwohl die wenigsten Uhren-Liebhaber heutzutage Polo spielen, soll doch Sportlichkeit mit Eleganz verknüpft werden, Robustheit mit Stil. Denn allzu oft leiden die eigenen Lieblingsstücke an der mangelnden Alltagstauglichkeit – und häufig legen Uhren-Liebhaber das gute Stück lieber zur Seite, um es zu schonen, obwohl sie die Uhr doch ständig tragen möchten. In Erinnerung an die Wende in der Uhren-Technologie stellte Konzernchef Jerome Lambert in Buenos Aires die "Grande Reverso Ultra Thin 'Tribute to 1931" vor. Das neue Meisterwerk orientiert sich am einstigen Originalentwurf, das Modell gibt es sowohl in Edelstahl als auch in Rotgold, dann aber limitiert auf 500 Stück. Die Grande Reverso Ultra Thin ist die flachste Reverso, die je hergestellt wurde. Wie immer wird aristokratische Bescheidenheit hochgehalten: Die neue Uhr verzichtet im Sinne des Understatement auf einen prominenten Schriftzug Jaeger LeCoultre und tritt nur als 'Reverso' in Erscheinung. Das Jaeger-LeCoultre-Logo ist dezent in die Bodenplatte der Wendevorrichtung eingraviert.

Eine Uhr voller Variationen

Einer der Gründe für den Erfolg der Reverso: Das nach der Drehung außen liegende Gehäuse lässt sich wunderbar personalisieren. Sei es durch eine Gravur mit Widmung oder Familienwappen, mit Juwelen oder Emaille.  Der Hersteller setzt auch persönliche Vorlieben um.

Auch Jaeger-LeCoultre sorgt für Abwechslung: Über die Jahre erschien die Reverso immer wieder in neuem Gewand, mal leichter, mal größer, mal mit Leder, Gold und Weißgold. Im Jahr 2006 brachte Jaeger-LeCoultre 18 Funktionen in einer Uhr unter – sie war unter Verwendung der zwei Seiten des Gehäuses und der Trägerplatte mit drei Zifferblättern ausgestattet. Wer sich für eine der vielen Versionen der Reverso interessiert, findet ein breites preisliches Spektrum vor: Die Uhr kostet je nach Ausstattung zwischen 2.500 und 20.000 Euro, letztere ist dann die goldene Version. Für das Stahl-Modell Gran Sport sollten rund 5.500 Euro, für die elegantere Duoface etwa 5.000 Euro eingeplant werden.

Luxus-Uhren seit 1833 

Die Ursprünge der im Schweizer Vallée de Joux angesiedelten Manufaktur gehen zurück ins Jahr 1833. Das Unternehmen wurde von den Brüdern Charles Antoine und Ulysse LeCoultre im Kanton Waadt gegründet. 1937 mündete die Zusammenarbeit mit dem Pariser Uhrmacher Jacques David Edmond Jaeger in einer Fusion beider Unternehmen, der Markenname Jaeger-LeCoultre war geboren. Billige Quarzuhren aus Japan stürzten die Schweizer Uhren-Industrie in den Achtzigern in die Krise. Die deutsche Industriegruppe VDO, das ist die spätere Mannesmann, übernahm 1978 Jaeger-LeCoultre. Im Jahr 2000 wurde der Hersteller an den Schweizer Schmuck- und Luxusuhrenkonzern Richemont verkauft.

Quelle: Frank Lansky, wanted.de

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