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Dallas wie im TV? Raufen, saufen, Geschäfte machen

Dallas wie im TV? Raufen, saufen, Geschäfte machen

19.02.2013, 17:51 Uhr | Margit Boeckh

Die Dallas-Ranch ist eine riesige Touristenattraktion. (Quelle: imago/Sauer)

Die Dallas-Ranch ist eine riesige Touristenattraktion.

(Quelle: imago / Sauer)
Wenn in den achtziger Jahren um 21.45 Uhr das Ohrwurm-Signal ertönte und sich nach dem Schwenk über die Skyline von Dallas die weißen Gatter der Southfork-Ranch öffneten, saßen einfach alle auf dem Sofa und guckten - ein Lagerfeuergefühl. (Quelle: imago/SMID)

Wenn in den achtziger Jahren um 21.45 Uhr das Ohrwurm-Signal ertönte und sich nach dem Schwenk über die Skyline von Dallas die weißen Gatter der Southfork-Ranch öffneten, saßen einfach alle auf dem Sofa und guckten - ein Lagerfeuergefühl.

(Quelle: imago / SMID)
Doch die Ranch nahe des Kaffs Parker ist nach texanischem Verständnis, wo alles "bigger" zu sein hat als anderswo, gar keine. Mickrige 30 Acres oder rund zwölf Hektar, kein Vieh außer ein paar Pferden und Longhorns, schon gar kein Öl.  (Quelle: imago/Sauer)

Doch die Ranch nahe des Kaffs Parker ist nach texanischem Verständnis, wo alles "bigger" zu sein hat als anderswo, gar keine. Mickrige 30 Acres oder rund zwölf Hektar, kein Vieh außer ein paar Pferden und Longhorns, schon gar kein Öl.

(Quelle: imago / Sauer)
Der Weg zum Texas-relevant bescheidenen Haupthaus ist viel kürzer als im Fernsehen. Vieles wurde durch kleine Tricks und Spielereien von der Kameracrew der Serie optisch vergrößert oder verlängert. (Quelle: imago/Sauer)

Der Weg zum Texas-relevant bescheidenen Haupthaus ist viel kürzer als im Fernsehen. Vieles wurde durch kleine Tricks und Spielereien von der Kameracrew der Serie optisch vergrößert oder verlängert.

(Quelle: imago / Sauer)
Die so ehrwürdig wirkende Ranch entstand tatsächlich erst in den siebziger Jahren. Errichtet von einer Familie Duncan, auf deren Rasen im Jahre 1978 ein Hubschrauber mit der Kamera-Crew landete, die auf der Suche nach einem Drehort für die TV-Serie war. Der Hausbesitzer vertrieb die Eindringlinge "auf die gute alte Texas-Art" - mit dem Gewehr im Anschlag. Doch die Crew kehrte zurück und überzeugte mit ihren Waffen - dem Scheckbuch. (Quelle: imago)

Die so ehrwürdig wirkende Ranch entstand tatsächlich erst in den siebziger Jahren. Errichtet von einer Familie Duncan, auf deren Rasen im Jahre 1978 ein Hubschrauber mit der Kamera-Crew landete, die auf der Suche nach einem Drehort für die TV-Serie war. Der Hausbesitzer vertrieb die Eindringlinge "auf die gute alte Texas-Art" - mit dem Gewehr im Anschlag. Doch die Crew kehrte zurück und überzeugte mit ihren Waffen - dem Scheckbuch.

(Quelle: imago)
Auf der Ranch sprudeln mittlerweile die Touristen-Dollars wie einst das Öl aus den Ewing-Quellen. Außer dem "Hausbesuch" bei den Ewings kann man hier heiraten oder ein Barbecue im Miss-Ellie-Stil buchen, beliebt für Firmenausflüge. Jährlich kommen bis zu einer halben Million Besucher, vor allem Briten und Deutsche. (Quelle: imago/Zuma Press)

Auf der Ranch sprudeln mittlerweile die Touristen-Dollars wie einst das Öl aus den Ewing-Quellen. Außer dem "Hausbesuch" bei den Ewings kann man hier heiraten oder ein Barbecue im Miss-Ellie-Stil buchen, beliebt für Firmenausflüge. Jährlich kommen bis zu einer halben Million Besucher, vor allem Briten und Deutsche.

(Quelle: imago / Zuma Press)
Bei dem "Hausbesuch" auf der Ranch stellt sich das "Dallas"-Gefühl ganz von alleine ein. (Quelle: imago/Zuma Press)

Bei dem "Hausbesuch" auf der Ranch stellt sich das "Dallas"-Gefühl ganz von alleine ein.

(Quelle: imago / Zuma Press)
Wer heute in Dallas/Texas landet, sieht eine gänzlich andere Stadt als damals. Heute ist es eine Millionen-City mit einem riesigen Kunst- und Kulturdistrikt, privat finanziert, der zeigt, dass hier immer noch mehr (Öl-)Dollars flüssig sind als anderswo. (Quelle: imago/Chromorange)

Wer heute in Dallas/Texas landet, sieht eine gänzlich andere Stadt als damals. Heute ist es eine Millionen-City mit einem riesigen Kunst- und Kulturdistrikt, privat finanziert, der zeigt, dass hier immer noch mehr (Öl-)Dollars flüssig sind als anderswo.

(Quelle: imago / Chromorange)
Die Skyline haben architektonische Ausrufezeichen von Banken und Konzernen inzwischen derart aufgefüllt, dass der einst so imposante Ewing-Oil-Wolkenkratzer darin glatt verschwindet.  (Quelle: imago/Chromorange)

Die Skyline haben architektonische Ausrufezeichen von Banken und Konzernen inzwischen derart aufgefüllt, dass der einst so imposante Ewing-Oil-Wolkenkratzer darin glatt verschwindet.

(Quelle: imago / Chromorange)
Es ist einfach alles größer als anderswo. Ranches und Rodeos, Stetsons und Steaks, Erdölquellen und Entfernungen - nicht zuletzt das Selbstgefühl der Menschen.  (Quelle: imago/Chromorange)

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Es soll ja Menschen geben, die "Dallas" nie gesehen haben. Eine Seifenoper mit grottiger Story, aberwitziger Dramaturgie, Darstellern wie aus dem Schmierentheater. "Gott sieht alles, nur nicht Dallas" ätzten die Feingeister. Und doch: Die ganzen achtziger Jahre hindurch klebten erst die Amis und später fast die ganze Welt am Bildschirm, um dem Ewing-Clan beim Raufen, Saufen, Geschäftemachen zuzuschauen.

Dienstag war D-Day. Und Deutschland einig "Dallas"-Land, dies- und jenseits der Mauer. Wenn um 21.45 Uhr das Ohrwurm-Signal ertönte und sich nach dem Schwenk über die Skyline von Dallas die weißen Gatter der Southfork-Ranch öffneten, saßen einfach alle auf dem Sofa und guckten - ein Lagerfeuergefühl. 357 Folgen lang ging das so, denen später drei (nicht ganz so erfolgreiche) Filme folgten. "Dallas" wurde Kult, ist Fernsehgeschichte. Jetzt ist es zurück, neu und aufs 21. Jahrhundert getrimmt. Grund genug, sich da umzuschauen, wo die TV-Ewings daheim sind: In Dallas! Auf der Southfork Ranch! Zuerst: Dallas/Texas. Wer heute dort landet, sieht eine gänzlich andere Stadt als damals. "Als wir dort drehten, war das ein Provinzstädtchen mit einem kleinen Downtown", befand der 2012 verstorbene Larry Hagman, und JR-Superstar musste es ja wissen.

Heute ist es eine Millionen-City mit einem riesigen Kunst- und Kulturdistrikt, privat finanziert, der zeigt, dass hier, Krise hin oder her, immer noch mehr (Öl-)Dollars flüssig sind als anderswo. Software-Millionen kommen dazu.

Die Skyline haben architektonische Ausrufezeichen von Banken und Konzernen inzwischen derart aufgefüllt, dass der einst so imposante Ewing-Oil-Wolkenkratzer darin glatt verschwindet. Das spezielle Texas-Gefühl - dort wird es in Szene gesetzt. Es ist einfach alles größer als anderswo. Ranches und Rodeos, Stetsons und Steaks, Erdölquellen und Entfernungen - nicht zuletzt das Selbstgefühl der Menschen. Was auch der Geschichte geschuldet ist, die das Land von einer Kolonie Mexikos zum riesenhaften Cowboystaat - gut doppelt so groß wie Deutschland - werden ließ. Doch - Überraschung! - manches ist auch viel kleiner als erwartet. Und die mega-telegene Southfork Ranch gehört dazu. Dorthin fährt man eine gute halbe Autostunde aus Dallas raus. Countryland wie aus dem Bilderbuch.

Endloses Weidegrün, Ranches, Longhorns, Pferde. Schließlich die weißen Zäune mit dem Eingangstor der "Southfork". Doch die Ranch nahe des Kaffs Parker ist nach texanischem Verständnis, wo alles "bigger" zu sein hat als anderswo, gar keine. Mickrige 30 Acres oder rund zwölf Hektar, kein Vieh außer ein paar Pferden und Longhorns, schon gar kein Öl. Zum Vergleich: Die King Ranch bei Corpus Christi, wo wir ein paar Tage später sind, hat 350.000 Hektar mit 60.000 Rindern. Die Südstaatenvilla der Ewings dagegen geht hier allenfalls als besseres Einfamilienhaus durch.

Der Weg zum Texas-relevant bescheidenen Haupthaus ist auch viel kürzer als im Fernsehen. Doch ehe man sich enttäuscht die Augen reiben kann, bittet eine zierliche weißhaarige Dame in Jeans, blauem Pulli, der Typ Miss Ellie, ins Haus. Sie stellt sich vor den Kamin im Wohnzimmer, über sich das Porträt von Ewing-Patriarch Jock, und erzählt, wie alles kam. Geht mit uns später durchs Haus und zeigt, wie alles ist. Da stellt es sich wie von alleine wieder ein, dieses "Dallas"-Gefühl von damals. Die so ehrwürdig wirkende Ranch entstand tatsächlich erst in den siebziger Jahren. Errichtet von einer Familie Duncan, auf deren Rasen eines schönen Tages im Jahre 1978 ein Hubschrauber landete. Ihm entstieg eine Kamera-Crew auf der Suche nach einem Drehort für eine TV-Serie. Hausbesitzer Joe Duncan war zunächst nicht erfreut und vertrieb die Eindringlinge "auf die gute alte Texas-Art" - mit dem Gewehr im Anschlag. Doch die Crew kehrte zurück und überzeugte mit ihren Waffen - dem Scheckbuch. Auch während der Dreharbeiten lebten die Duncans auf der Ranch. Deshalb durfte damals nur außen gedreht werden. Die Innenaufnahmen wurden im Studio in Kalifornien gemacht. Dallas-Ranch wird zur Touristenattraktion Das Filmteam selbst wohnte in Dallas und kam jeden Tag mit dem Bus raus zur Ranch. Sechsmal die Woche. Und bald kamen die ersten Touristen. "Da war auf einmal die Hölle los und die Duncans wollten einfach nicht mehr hier bleiben." Man verkaufte prompt an jemanden aus dem Tourismus-Geschäft. Ab da durfte auch innen gedreht werden. Und die Southfork Ranch wurde zur Touristenattraktion.

Wir stiefeln durch die Räume. Eng das alles. Viel enger jedenfalls, als bei Ölmillionären erwartet. Im Erdgeschoss befinden sich Miss Ellies Küche, in der sie die teuflische Brut immer wieder zusammenbrachte, das Kamin- und das Speisezimmer als weitere Treffpunkte der Sippe. Im Obergeschoss Sue Ellens Schlafzimmer und das von J.R. mit der Elchgeweih-Deko überm Bett; seine Cowboyboots stehen davor, als hätte er sie gerade erst ausgezogen. Goldene Wasserhähne in den Badezimmern und Toilettenpapier mit Southfork-Logo. Wir treten auf den Balkon, von dem Kristin, Sue Ellens Halbschwester einst in den Pool stürzte (Fans erinnern sich an die Szene). Was so gar nicht möglich war. Denn sie wäre unweigerlich auf dem Rasen gelandet, weil der Pool etliche Schritte entfernt liegt. Nicht nur deshalb blicken wir desillusioniert auf das angebliche Millionärs-Planschbecken: Was, so klein? Dabei schien es doch im Film, als plätscherten Sue Ellen und die anderen in einem Bassin von geradezu olympischen Ausmaßen, texasmäßig eben. Unsere Führungsdame klärt lächelnd auf: Spiegel und Weitwinkel haben die Illusion geschaffen. "Den Schauspielern schnallte man durchsichtige Plastikgeschirre um. An denen wurden sie immer wieder hin und zurück gezogen, so, als ob sie endlos in einem Riesenpool schwämmen". Auch der Weg zur Ranch wurde ähnlich künstlich verlängert. Die Distanz zur Wirklichkeit - das war ja eigentlich schon immer Teil des "Dallas"-Erfolgskonzepts. Weshalb die Southfork-Realität der Seifenoper-Illusion nichts anhaben kann. Das Anwesen ist inzwischen fest in der Hand des Unternehmens Forever Resorts, das Hotels und Lodges weltweit betreibt. Auf der Ranch sprudeln die Touristen-Dollars wie einst das Öl aus den Ewing-Quellen. Außer dem "Hausbesuch" bei den Ewings kann man hier heiraten oder ein Barbecue im Miss-Ellie-Stil buchen, beliebt für Firmenausflüge. Jährlich kommen bis zu einer halben Million Besucher. An ausländischen "Dallas"-Fans kommen "vor allem Briten und Deutsche", weiß die nette Führungsdame. Texaner weniger. Die hätten eigentlich sowieso nie "Dallas" geguckt. Sie selbst übrigens auch nicht.

Quelle: Margit Boeckh , srt

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