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Bogotá in Kolumbien: Spannender als jede Seifenoper

Bogotá in Kolumbien: Spannender als jede Seifenoper

24.01.2012, 12:57 Uhr | Robert Niedermeier/srt

Auf dem Berg Monserrate liegt die Pilgerkapelle "Zum gefallenen Herren". (Quelle: srt/R. Niedermeier)

Auf dem Berg Monserrate liegt die Pilgerkapelle "Zum gefallenen Herren".

(Quelle: srt / R. Niedermeier)
In der "Zona Rosa", wie sie auf Touristen-Karten vermerkt ist, reihen sich Nacht-Lokale, Gay-Bars, Disco-Clubs und Restaurants aneinander. (Quelle: srt/R. Niedermeier)

In der "Zona Rosa", wie sie auf Touristen-Karten vermerkt ist, reihen sich Nacht-Lokale, Gay-Bars, Disco-Clubs und Restaurants aneinander.

(Quelle: srt / R. Niedermeier)
Im Nachtclub "Inferno" in der Calle 82 im Norden Bogotás kann man manch skurrile Figur antreffen. (Quelle: srt/R. Niedermeier)

Im Nachtclub "Inferno" in der Calle 82 im Norden Bogotás kann man manch skurrile Figur antreffen.

(Quelle: srt / R. Niedermeier)
Ein anderes Extrem: Komparsen der Seifenoper "La Pola" warten in Bogotá auf ihren Einsatz.  (Quelle: srt/R. Niedermeier)

Ein anderes Extrem: Komparsen der Seifenoper "La Pola" warten in Bogotá auf ihren Einsatz.

(Quelle: srt / R. Niedermeier)
Die Darsteller tragen historische Uniformen und Kleidung. (Quelle: srt/R. Niedermeier)

Die Darsteller tragen historische Uniformen und Kleidung.

(Quelle: srt / R. Niedermeier)
Um das Gesamtbild stimmig zu machen, gibt es auch die passenden historischen Waffen. (Quelle: srt/R. Niedermeier)

Um das Gesamtbild stimmig zu machen, gibt es auch die passenden historischen Waffen.

(Quelle: srt / R. Niedermeier)
Auf dem Berg Monserrate liegt die Pilgerkapelle "Zum gefallenen Herren". Wer sie besichtigen möchte, nutzt die Kettenzug-Seilbahn. (Quelle: srt/R. Niedermeier)

Auf dem Berg Monserrate liegt die Pilgerkapelle "Zum gefallenen Herren". Wer sie besichtigen möchte, nutzt die Kettenzug-Seilbahn.

(Quelle: srt / R. Niedermeier)
Auch das gibt es in Bogotá: Das Künstler-Quartier "Jiménez de Quesada". (Quelle: srt/R. Niedermeier)

Auch das gibt es in Bogotá: Das Künstler-Quartier "Jiménez de Quesada".

(Quelle: srt / R. Niedermeier)

"Amor, Amor", ruft ein Halbnackter den Namen des altgriechischen Liebesgottes. Nur mit einer knappen Toga umschürzt, tänzelt er herbei. Ein zweiter spielt Schalmei, ein dritter wirft Blütenblätter über einem überraschten Pärchen herab. Einen Eindruck vom kolumbianischen Bogotá bekommen Sie in unserer Foto-Show.

In diesem heiteren Moment wird in der Hölle der "kurioseste Gast" gewählt. "Inferno", die Hölle, heißt der angesagte Nachtclub an der Calle 82 im Norden Bogotás. Es ist einer der Tanztempel in der Hauptstadt Kolumbiens, der mit Dance- und Salsa-Hits ein meist wohlhabendes Publikum unterhält. Hübsche oder prominente Gäste - oder eben vermeintliche Liebespärchen - werden in jeder Nische des Club Restaurants von der quirligen Performance-Truppe überrascht und mit viel Tamtam beehrt. Bunt gemischtes Publikum Kostümbildner, Drehbuchschreiber, Cutter, einige jüngere Komparsen und selbst einer der Hauptdarsteller der erfolgreichen Telenovela "La Pola" ist mit von der Partie an der langen Tafel, inmitten der vom Discolicht und guter Laune geschwängerten Atmosphäre. Das Ensemble isst, tanzt, lacht zusammen und allesamt plappern sie unaufhörlich im schnellen Spanisch aufeinander ein.

Morgen dreht die Crew in der Altstadt Szenen für die kolumbianische Fernsehserie, die das Leben der historisch verbrieften Nationalheldin La Pola in epischer Länge, mit viel Liebe zum Dramatischen nacherzählt.

"Ein großer Erfolg", erzählt Antonio Varela, der zum besser verdienenden Teil der 46 Millionen Kolumbianer zählt. Die Eltern machen in Solartechnik. Schon bald wird der junge Ehemann, der eine Ingenieurausbildung in Deutschland genossen hat, die Geschicke des zukunftsträchtigen Unternehmens führen. Heute Nacht jedoch wird gefeiert, zusammen mit nationalen TV-Größen. Draußen vor dem großen Backsteingebäude zieht eine vergnügte Clique weiter. Hinaus in das auf Touristen-Karten als "Zona Rosa" gekennzeichnete Stadtgebiet. In der Umgebung der Chapinero Alto reihen sich Nacht-Lokale, Gay-Bars, Disco-Clubs und Restaurants aneinander.

Bei einer Fahrt durch Bogotá ändern sich die vorbeiziehenden Bilder schlagartig. Die Stadt ist trotz der fortschreitenden sozialen Reformen zweigeteilt. Im Südwesten die Armen, im Norden zeigt sich Bogotá als lebensfrohes, modern-urbanes Terrain der gehobenen Mittel- und der reichen Oberschicht. Dass in seiner Heimat nicht immer eitel Sonnenschein herrscht, verschweigt der Jungunternehmer nicht. Die blutigen Fehden der Kokain- und Smaragdclans sind jedoch größtenteils beigelegt. Und das Land ist groß: Auf einer Fläche von 1140000 Quadratkilometern, gibt es für Touristen viel zu entdecken - auf friedlichen Pfaden. Ein großes Land mit vielen Möglichkeiten Das Tourismusministerium geht indes ironisch mit dem angekratzten Image um: "Kolumbien: Das einzige Risiko ist, dass Du bleiben willst", lautet der neueste Werbe-Claim. Kolumbien hat sich gewandelt - und die Touristen kommen. Von den karibischen Küstenstädten wie Cartagena im Osten, deren malerische Altstadt zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt worden ist, über Bogotá zur gigantisch großen, unterirdischen Salz-Kathedrale Zipaquiera und weiter in die Kaffeeregion Alcalá bis ins Tal von Cocora in über 3000 Metern Höhe erleben Besucher entweder weiße Sandstrände, grüne Plantagen, eisig glitzernde Gletscher oder riesenhafte Wachspalmen: beim Schnorcheln, Reiten, Wandern und Staunen. Auf den Spuren von La Pola Filmreife Kulissen tun sich indes in der Hauptstadt des vielfältigen Landes auf. Südlich der Gourmetzone verläuft die Carrera Séptima. Die Flaniermeile markiert die Grenze von Alt- und Neustadt. Dort tobt das Leben. Immer wieder wird der ganze Boulevard wegen Volksfesten für Autos gesperrt. "Die Straßenkünstler, die da auftreten, leben hier ums Eck", erzählt Insider Antonio Varela.

Etwas weiter drängt sich schon wieder La Pola ins Bild - in Gestalt von Komparsen, die in historischen Uniformen am Außenministerium beim Theater Colón warten.

"Die drehen ununterbrochen im ganzen Land", erklärt Varela. Er passiert ein schickes Hotel im Kolonialstil. Im nächsten Augenblick bestimmen Graffiti auf marodem Mauerwerk die Szene. "Ein bisschen wie im Schanzenviertel", findet der Kolumbianer, der bis vor zwei Jahren in Hamburg studierte. Kreative und Studenten haben das Quartier vor über zehn Jahren unterhalb des 3152 Meter hohen Berges Monsterrate belebt. Die nahen Universitäten und das historische Zentrum machten die Gegend begehrt. Eine Stadt im Wandel "Heute steigen die Mieten rasant", erklärt der Geschäftsmann die Gentrifizierung des Bezirks beim Flanieren entlang der Fassaden mit verspielt verzierten Balkonen. Noch bestimmt ein alternativer Lebensstil das Künstler-Quartier entlang der Jiménez de Quesada: Punkfrisuren, Ponchos, Piercings schmücken die Gäste in urigen Cafés und chaotisch wirkenden Kunstgalerien, die das großstädtische Flair mit exotischer Würze bestimmen. Die zum Greifen nahen Berge bilden die natürliche Stadtgrenze. Die Straßen tragen - statt Nummern wie in der Neustadt - klangvolle Namen berühmter Persönlichkeiten, "die auch in La Pola auftauchen", weiß Varela.

Eine Kettenzug-Seilbahn führt hoch zum Berg Monserrate. Die Kirchenglocken, der zum Kloster gehörenden Pilgerkapelle "Zum gefallenen Herren" dröhnen durch Lautsprecher verstärkt ins Tal auf die nachts sündhaft vergnügte Stadt hinab. Varela blickt durch ein Münz-Fernrohr an einem der Aussichtpunkte, der in unschuldigem Weiß gehaltenen Klosteranlage: "Schau, da hinten, hinter den Wolkenkratzern, das ist die Hölle." Er meint den Club Inferno in der Zona Rosa, wo sich die Cachacos, die Hauptstädter, so gerne amüsieren.

Quelle: Robert Niedermeier/srt, srt

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