25.06.2012, 17:13 Uhr | Frank Lansky
Männer haben es wirklich schwer: Sie können ihre Persönlichkeit nicht ohne Weiteres mit Schmuck zur Schau stellen. Ein letztes Reservat für Schönheit und Status ist das, was am Arm getragen wird. Tatsächlich ist eine edle Uhr ein Blickfang und ein famoses Accessoire für Technik-Begeisterte. Doch nicht jeder trägt gerne mehrere tausend Euro mit sich herum. Die Uhr muss auch finanziell vertretbar sein. wanted.de hat sich am Markt für bezahlbare Edel-Uhren umgeschaut und zeigt Ihnen einige Modelle in der Foto-Show.
Protzig darf sie nicht wirken, Hemd und Anzug nicht ausbeulen und zudem darf sie nicht den Gegenwert eines Kleinwagens kosten – denn wenn die gute Armbanduhr im Fitness-Center oder im Hotel vergessen wird, ist der Ärger groß.
Es gibt aber auch edle und zugleich preislich vernünftige Angebote unter den Herrenuhren. Der Markt ist mittlerweile schier unüberschaubar geworden. Wir haben ihn daher für Sie durchkämmt und eine kleine, mit Sicherheit nicht vollständige und natürlich sehr subjektive Liste von Herstellern, Modellen und Tipps für Sie erstellt.
Branche erschüttert
Am Anfang lohnt ein Blick in die Historie. Fast gäbe es automatische Uhren mit dem das Werk aufziehende Schwungpendel gar nicht mehr. Aber der Zeitgeist hat sich wieder geändert: >>
In den späten 1970er Jahren machten die Japaner mit ihren leuchtenden Quarz-Weckern fast der gesamten Schweizer Uhren-Industrie den Garaus. Die Alpenrepublik hatte sich zuvor zum Mekka der Uhrmacher entwickelt, weil die Bauernfamilien im Winter auf den von der Außenwelt abgeschnittenen Bergdörfern einen Nebenerwerb brauchten und Uhrwerke zusammensetzten. Doch mit der Massenproduktion der asiatischen Elektronik-Produkte brach der Markt ein.
Mittlerweile sind Quarz-Uhren wieder passé, denn sie bieten selten hochwertige Qualität. Ausnahmen bestätigen aber die Regel: Selbst Sinn und Omega verkaufen Quarz-Modelle. Mechanik-Werke mit Handaufzug sind auch keine wirkliche Alternative, obwohl es sie noch gibt.
Die Russen beispielsweise kauften in der großen Quarz-Krise ganze Manufakturen auf und bauen bis heute alte mechanische Werke in ihren Poljot-Kalibern ein. Poljot heißt übersetzt "Der Flug" – benannt nach dem ersten Weltraum-Ausflug von Juri Gagarin. Diese Uhren haben durchaus Vintage-Charme, >>
verlangen aber jeden Morgen Zuwendung durch das Aufziehen der Feder.
Jetzt ist die richtige Zeit zum Kauf
The Real Deal sind somit Automatik-Uhren – sie haben sich zu Recht ihren Platz am gestählten Unterarm der Männerwelt zurückerobert. Sie sind hochwertiger und faszinieren durch ihre Technik.
Nach dem Japan-Kollaps verschwanden viele Hersteller von der Bildfläche. Nur wenige Konzerne wie Rolex oder Audemars Piguet bauen ihre Werke noch selbst – zum entsprechenden Preis. Bei den Automatik-Werken gibt es heute einen einzigen großen Quasi-Monopolisten: ETA. Fast alle namhaften Hersteller wie Sinn, Tag Heuer oder Longines verbauen diese Kaliber. Damit verwenden zwar alle das gleiche Herzstück, was wenig exklusiv ist. Doch im Gegenzug sind diese seit Jahrzenten verbauten Werke ausgereift und zuverlässig.
Nun kommt der Knackpunkt: Eine Automatik-Uhr ist gerade jetzt ein prima Investment. Die ETA-Mutter Swatch hat angekündigt, die Belieferung der Konkurrenz nach und nach einzustellen. Ferner steht der Uhren-Branche ein heftiger Preisschub bevor. Zudem dürfte der Wert der Schweizer Uhren auch wegen der europäischen Schuldenkrise mindestens stabil bleiben. Schon in den vergangenen Jahren haben sich hochwertige Uhren kontinuierlich verteuert, weil der Schweizer Franken gegen den Euro enorm zugelegt hat. Ein Ende dieser Entwicklung ist kaum abzusehen, da die Europäische Zentralbank wahrscheinlich frisches Geld drucken wird, um die taumelnden südlichen Schuldenstaaten zu retten. Der Euro wird damit schwächer, die Kaufkraft gegenüber dem Fränkli sinkt. Wer also eine Uhr kaufen will, der sollte jetzt aktiv werden.
Gute Uhren für rund 1000 Euro
Für eine zuverlässige und wertstabile Uhr sind mindestens 1000 Euro Investment einzuplanen. Im Einstiegs-Segment erhält der Käufer dafür meist ein ETA-Werk, das eventuell vom Hersteller veredelt und nach eigenem Design modifiziert wurde. Auch ein schlagsicheres Saphir-Glas ist für diesen Preis meist mit dabei. In dieser Preisklasse tummeln sich beispielsweise die Hersteller Junghans, Oris oder Longines, aber auch kleine Spezial-Anbieter wie Sinn, Damasko und Guinand.
Im Einsteiger-Segment tritt seit geraumer Zeit Junghans wieder überzeugend auf. Der Schwarzwälder Hersteller war Anfang des 20. Jahrhunderts der größte Uhrenhersteller der Welt und lieferte 1972 das erste farbige Zielfoto für die Olympischen Spiele in München. In diesem Jahr feiert die Manufaktur ihren 150-jährigen Geburtstag und erfindet sich gerade neu: Nach einem Insolvenzantrag im Jahr 2008 hat nun die Unternehmer-Familie Steim das Heft in der Hand. Ihr gehört die Kern-Liebers-Gruppe. >>
Ein Weltmarktführer in der Produktion von Kabelaufroller und Präzisionsfedern für Staubsauger, Sicherheitsgurte oder Rasenmäher. Eine sehr elegante Uhr ist die Max Bill by Junghans. In schlichtem Bauhaus-Design würdigt der Hersteller die Dessauer Schule. Die unverbindliche Preisempfehlung der verschiedenen Varianten liegt bei rund 1300 Euro. Bei Großhändlern und im Internet werden die Stücke mitunter für 1050 Euro angeboten. Die Uhr enthält das Kaliber J880.2, das ist die interne Bezeichnung für das ETA-Werk Valjoux 7750. Auch die Meister-Reihe bietet interessante Stücke, die sogar noch weniger kosten.
Sportlich und maskuline Modelle
Sportlicher tritt Longines mit seinen Modellen auf. Die Longines Admiral ist eine Uhr für Wassersportler. Das gute Stück wird vom Hersteller für 1900 Euro empfohlen, ist aber mitunter für 1500 Euro zu haben. Die Compagnie des Montres Longines, Francillon S.A. ist übrigens der Schweizer Uhrenhersteller mit der ältesten eingetragenen Uhrenmarke der Welt. Die Produktionsstätte wurde 1832 im schweizerischen Saint-Imier errichtet. Von der Japan-Attacke wurde Longines hart getroffen und gehört heute zur Swatch Group– genau wie Breguet, Omegaund Blancpain.
Ebenfalls sehr sportlich und noch einen Tick maskuliner tritt Oris auf. Auch dieser Hersteller wurde von den Quarz-Weckern fast umgeworfen. Der Fabrikant gehörte einst zur Asuag AG, das ist der Vorläufer der Swatch-Group, und wurde 1982 durch einen Management-Buy-Out selbständig. Oris bietet imposante Taucher-Uhren und Flieger-Chronografen an. Das Markenzeichen ist der rote Automatik-Rotor. Oris ist Sponsor des Williams F1 Teams. Taucheruhren, Flieger-Chronografen und elegante Business-Uhren gibt es ab 900 Euro aufwärts.
Ein martialischer Geheimtipp
Fast schon martialisch kommt Damasko daher. Die kleine, Inhaber-geführte Manufaktur bei Regensburg ist ein absoluter Geheimtipp für Liebhaber von auffälligen und super-stabilen Uhren. Die Gehäuse werden mit einem patentierten Verfahren extrem gehärtet und eignen sich somit für Piloten und aktive Sportler. Damasko verbaut das Valjoux 7750, fertigt aber seit 2010 sogar ein eigenes Kaliber. Die Modellpalette reicht von schlichten Uhren für rund 900 Euro bis zu Chronografen für 2800 Euro. Einen Coup landete Damasko, übrigens ein früherer Zulieferer von Sinn, mit der Ausrüstung der Besatzungen des Kampfjets Eurofighter.
Lesen Sie im zweiten Teil mehr über die bezahlbare Edeluhren und holen Sie sich wertvolle Tipps.
Quelle: Frank Lansky, wanted.de
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