19.11.2012, 10:17 Uhr | Frank Lansky
Alles einsteigen zur geschmacklichen Entdeckungs- und Erweckungsreise: Die Whisky-Koryphäe Walter Schobert nahm die Freunde edler Single Malts mit auf einen Tasting-Trip über die schottische A9. wanted.de war mit dabei. Alle probierten Whisky-Sorten finden Sie in unserer zweiten Show.
Die A9 reicht von Falkirk Council nördlich von Edinburgh über Inverness bis nach Thurso im hohen Norden. Früher wurde die Landstraße wegen ihrer Biegungen und der Bedeutung für den Handel Spine of Scotland genannt – das Rückgrat Schottlands. Inzwischen gilt die längste Straße Schottlands wegen ihrer Wechsel von vier auf zwei Spuren als gefährlichste Straße im Land der Schotten. Dass viele Autofahrer hier aus den Kurven geschleudert werden, liegt vielleicht auch an den unzähligen Whisky-Brennereien am Rand der Wegstrecke.
Auf Tasting-Tour durch sechs Destillen
Angenehmer war die kulinarische Reise für die Genießer in der Spezialitäten-Boutique "Whiskykoch" in Darmstadt. Zum Gold der Schotten kochte Christopher Nicolas Pepper leckere Speisen; Ehefrau Marion hatte den gelungenen Abend organisiert. >>
Die diversen Stationen erklärte Walter Schobert, einer der Granden in der deutschen Whisky-Szene. Der ehemalige Direktor des Deutschen Filmmuseums in Frankfurt ist als evangelischer Theologe prädestiniert für den Angels Share, über dessen himmlische Wirkung er eine Menge Erfahrung gesammelt hat.
Seit dem Oktober 1965 ist er ein Fan von Single Malt, seitdem hat er das Lebenswasser an insgesamt rund 17.000 Tagen gekostet – nur an zwei Tage musste er ohne auskommen. Insgesamt hat Schobert rund 3000 Flaschen getrunken, die etwa 100.000 Euro gekostet haben dürften.
Pulteney – Geheimtipp aus dem Norden
Los ging die Entdeckungsreise von Nord nach Süd bei einem Geheimtipp in der Destille Pulteney in der Hafenstadt Wick. Der verkostete 15jährige ist für Mr. Pepper und Schobert ein echter >>
"Glückswhisky", oder auch "Dornröschen-Whisky", der dank seiner Leichtigkeit einen idealen Start in den Abend bot. In der Nase liegt ein leicht salziger und holziger Geruch, im Geschmack zeigt sich ein minimaler Orangen-Sherry-Einschlag. "Das ist der Fino-Sherry der Whisky-Welt", urteilte Schobert.
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Somit passte der Brand wunderbar zur Terrine von Orangen und Schafskäse auf Kräutersalat mit Bananen-Dressing. Die Whisky-Gemeinde vor Ort wählte sowohl den Whisky, als auch das Gericht und zudem die Kombination von beidem zum jeweiligen Gewinner des Abends.
Balblair – Williams Birne im Whisky-Glas
Weiter ging es mit einem zehnjährigen Balblair, der vom unabhängigen Abfüller Gordon & MacPhail angeboten wird. Diese Abfüller kaufen Fässer von großen Destillen, die nicht in deren Markenprogramm passen – solche Brände sind somit echte Exoten. Der Balblair begrüßte die Whisky-Freunde mit einer eher sprittigen Nase, im Geschmack bahnte sich vor allem die Birne ihren Weg; im Nachklang gesellte sich eine leicht malzige Meeresnote dazu. Der "Whiskykoch" stellte dem Drink eine Suppe mit Export-Bier und Sellerie sowie Birnenmousse an die Seite.
Dalmore – die Brennerei mit dem teuersten Whisky der Welt
In Runde drei trat ein Dalmore auf die Kanzel – allerdings war er nicht wie die meisten Brände dieser Destille dunkelrot, sondern blond, was am Ausbau im Bourbon-Fass liegt. Der Drink beeindruckte mit mächtigen 57,7 Umdrehungen und einem süßen, nussigen Duft. Im Geschmack meldeten sich Honig, minimal Anis und Getreide zu Wort. Die Nerven im Mund brauchten eine Weile, um sich von der Alkohol-Attacke zu erholen, hier empfiehlt sich die Zugabe von Wasser. Bestens auf den Drink abgestimmt war das grandiose Zanderfilet mit Haselnuss-Anis-Kruste auf Graupenrisotto – das Gericht landete bei der Abstimmung auf Rang zwei. >>
Und dann der Sündenfall: Ein Glen Ord des unabhängigen Abfüllers James MacArthur zog den Zorn des Propheten auf sich. Der Zwölfjährige aus dem Bourbon-Barrel kam einigen Gästen sofort seltsam vor, weil er nach einem alten Lappen, einem muffigen Geigenkasten oder einem feuchten Keller roch. Schobert rumpelte, dieser Whisky stamme wohl aus einem problematischen Fass – er hätte nie als Single Malt abgefüllt werden dürfen. Tatsächlich hielt sich lange der Geschmack nach einem korkigen Wein im Mund. Entsprechend schwer hatte es das Kalbsragout mit Majoran plus Karamell-Kartoffel-Pürree und Zucchini-Scheiben.
Tatsächlich war die Flasche gekorkt, was James Mac Arthur Bottling auch enorm bedauert – ein solcher Fall kommt genau wie in den besten Weinkellereien einmal unter tausenden Flaschen vor. Der Abfüller hat inzwischen eine kleine, flüssige Entschuldigung an die Besucher des Abends auf den Weg gebracht.
Dalwhinnie – die höchstgelegene schottische Brennerei
Weiter ging die Pilgerreise zur höchsten Brennerei: Dalwhinnie liegt nahe Inverness auf sagenhaften 326 Metern, gegründet wurde die Destille im Jahr 1897. Dabei streiten sich die Geister, ob Braeval nicht noch ein paar Meter höher liegt. Den Feinschmeckern war es egal, ihnen stieg bei der Distillers Edition mit Oloroso Finish zunächst der Ausbau im Sherry-Fass in die Nase. Im Geschmack hielt sich die florale Fruchtnote, dazu gesellte sich Eiche. Gut passte hierzu das Schokoladenparfait mit glacierten Trauben und Honig-Thymian-Joghurt.
Am Ende der Tasting-Reise stand ein Edradour, die neben Daftmill und Abhainn Dearg als die kleinste Destille des Landes gilt. Die Whiskybrennerei stellt wegen der kleinen, kurzen Brennblasen generell eher süße Whiskys her, die den Mund wie ein fülliges Dessert überwältigen.
Der zwölfjährige Caledonia wurde eigens kreiert für das Scottish-Homecoming im Jahr 2010, als alle Schotten, die im Ausland leben, in die Heimat reisen sollten. Der Drink hatte in seiner Finishing-Phase viel Zeit, intensive Vanille- und Frucht-Aromen aus den Oloroso-Sherryfässern zu ziehen. Beim Nosing des zwölfjährigen Caledonia begrüßte interessanterweise Gummi den Genießer. Das stört aber am Gaumen nicht: Der Caledonia schmeckt nach Lebkuchen und Trockenobst und schloss den Abend bestens ab.
Fazit: Der Whisky-Kult wächst. Und die Peppers haben sich mit dem Tasting rund um die A9 zum fünften Geburtstag am 17. November – der natürlich ausgiebig gefeiert wurde - selbst ein prima Geschenk gemacht. Schauen Sie sich alle probierten Sorten in unserer Show an.
Quelle: Frank Lansky, wanted.de
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