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Appenzeller Land und seine Bräuche im Winter

Winterbräuche im Appenzeller Land

12.11.2012, 10:06 Uhr | Jutta Lemcke/srt

Das Appenzeller Land auf der Schweizer Seite des Bodensees lockt mit einer sanften Hügellandschaft, Biedermeier-Kultur und sehr urtümlichen Bräuchen. (Quelle: srt (17.10.2012/Schweiz Tourismus))

Das Appenzeller Land auf der Schweizer Seite des Bodensees lockt mit einer sanften Hügellandschaft, Biedermeier-Kultur und sehr urtümlichen Bräuchen.

(Quelle: srt (17.10.2012/Schweiz Tourismus))
Die Zahnradbahn im Appenzeller Land bringt die Gäste von Rorschach nach Heiden. (Quelle: srt (18.10.2012/Schweiz Tourismus))

Die Zahnradbahn im Appenzeller Land bringt die Gäste von Rorschach nach Heiden.

(Quelle: srt (18.10.2012/Schweiz Tourismus))
"Das Biedermeierdorf", so nennt sich der hoch auf einer Sonnenterrasse gelegene Kurort, der mit jährlichen Biedermeierfesten die gute alte Zeit pflegt. Eine Katastrophe verhalf Heiden zu Ruhm. Im Jahre 1838 brannte das gesamte Dorf bis auf ein Haus nieder - und wurde nach der damaligen Architekturmode im reinen Biedermeierstil wieder aufgebaut. Heute schmückt sich das Hotel Linde mit dem angeblich schönsten Biedermeiersaal des Appenzeller Landes.  (Quelle: srt (18.10.2012/Jutta Lemcke))

"Das Biedermeierdorf", so nennt sich der hoch auf einer Sonnenterrasse gelegene Kurort, der mit jährlichen Biedermeierfesten die gute alte Zeit pflegt. Eine Katastrophe verhalf Heiden zu Ruhm. Im Jahre 1838 brannte das gesamte Dorf bis auf ein Haus nieder - und wurde nach der damaligen Architekturmode im reinen Biedermeierstil wieder aufgebaut. Heute schmückt sich das Hotel Linde mit dem angeblich schönsten Biedermeiersaal des Appenzeller Landes.

(Quelle: srt (18.10.2012/Jutta Lemcke))
Traditionell geht es auch in Urnäsch zu. Hier, so heißt es, seien die Sitten und Gebräuche so eigentümlich, dass nur die Einheimischen selbst noch durchblicken. "Alles läuft nach strengen Regeln, aber nirgends steht etwas geschrieben". (Quelle: srt (18.10.2012/Jutta Lemcke))

Traditionell geht es auch in Urnäsch zu. Hier, so heißt es, seien die Sitten und Gebräuche so eigentümlich, dass nur die Einheimischen selbst noch durchblicken. "Alles läuft nach strengen Regeln, aber nirgends steht etwas geschrieben".

(Quelle: srt (18.10.2012/Jutta Lemcke))
Sämi Frick ist ein Profi in Dingen Urnäscher Bräuche und hat seit seinem sechsten Lebensjahr noch kein Chlausen, Blochen, Öberefahre, keinen Alpaufzug, kein Sennenfest und keine Viehschau auf dem Urnächer Marktplatz ausgelassen. "Öberefahre" heißt, dass die Bauern mit ihrem Vieh auf die Alp kommen oder ins Tal zurück. (Quelle: srt (18.10.2012/Jutta Lemcke))

Sämi Frick ist ein Profi in Dingen Urnäscher Bräuche und hat seit seinem sechsten Lebensjahr noch kein Chlausen, Blochen, Öberefahre, keinen Alpaufzug, kein Sennenfest und keine Viehschau auf dem Urnächer Marktplatz ausgelassen. "Öberefahre" heißt, dass die Bauern mit ihrem Vieh auf die Alp kommen oder ins Tal zurück.

(Quelle: srt (18.10.2012/Jutta Lemcke))
Richtig wild sind die Urnäscher beim Chlausen. Das sie wie ein Fieber, so die Einwohner. Im Fieber sind die Urnäscher gleich zweimal im Jahr, am neuen Silvester, dem 31. Dezember, und am alten Silvester, dem 13. Januar, ein Datum, auf das die Urnäscher als Widerstand gegen die Gregorianische Kalenderreform auch heute noch beharren. An diesen Tagen herrscht Ausnahmezustand. Die Kostüme, die dabei getragen werden kann man im Brauchtummuseum in Urnäsch sehen. (Quelle: srt (18.10.2012/Jutta Lemcke))

Richtig wild sind die Urnäscher beim Chlausen. Das sie wie ein Fieber, so die Einwohner. Im Fieber sind die Urnäscher gleich zweimal im Jahr, am neuen Silvester, dem 31. Dezember, und am alten Silvester, dem 13. Januar, ein Datum, auf das die Urnäscher als Widerstand gegen die Gregorianische Kalenderreform auch heute noch beharren. An diesen Tagen herrscht Ausnahmezustand. Die Kostüme, die dabei getragen werden kann man im Brauchtummuseum in Urnäsch sehen.

(Quelle: srt (18.10.2012/Jutta Lemcke))
Die Männer stülpen sich kiloschwere Hüte auf den Kopf, tarnen sich mit naiv bemalten oder wild gestalteten Masken, behängen sich als "wüeschte Chläuse" mit altem Geäst. (Quelle: srt (18.10.2012/Schweiz Tourismus))

Die Männer stülpen sich kiloschwere Hüte auf den Kopf, tarnen sich mit naiv bemalten oder wild gestalteten Masken, behängen sich als "wüeschte Chläuse" mit altem Geäst.

(Quelle: srt (18.10.2012/Schweiz Tourismus))
Die Gegenfiguren sind die "schöne Chläuse", bei denen die Männer in bestickte Frauenkleider schlüpfen. Dann ziehen sie von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang jodelnd durchs Dorf, schwingen ihre Glocken und Schellen und sammeln an den Haustüren scharfe Schnäpse ein. (Quelle: srt (18.10.2012/Schweiz Tourismus))

Die Gegenfiguren sind die "schöne Chläuse", bei denen die Männer in bestickte Frauenkleider schlüpfen. Dann ziehen sie von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang jodelnd durchs Dorf, schwingen ihre Glocken und Schellen und sammeln an den Haustüren scharfe Schnäpse ein.

(Quelle: srt (18.10.2012/Schweiz Tourismus))
Esther Ferrari erzählt in einer Holzhütte im Wald Geschichten aus alten Zeiten. Sie erzählt von Naturheilern, die auch heute noch geheime Mittel gegen Husten und Fieber verteilen, sie erzählt von guten und bösen Geistern, von Armen, die ihr Glück machen und von Reichen, die vergeblich nach Sinn suchen. (Quelle: srt (18.10.2012/Jutta Lemcke))

Esther Ferrari erzählt in einer Holzhütte im Wald Geschichten aus alten Zeiten. Sie erzählt von Naturheilern, die auch heute noch geheime Mittel gegen Husten und Fieber verteilen, sie erzählt von guten und bösen Geistern, von Armen, die ihr Glück machen und von Reichen, die vergeblich nach Sinn suchen.

(Quelle: srt (18.10.2012/Jutta Lemcke))
Wer Urnäsch besuchen möchte, kann gut im Berghotel Schwägalp übernachten und von dort auch mit der Seilbahn auf den Säntis fahren. Wintersportler kommen hier auf ihre Kosten. (Quelle: srt (18.10.2012/Jutta Lemcke))

Wer Urnäsch besuchen möchte, kann gut im Berghotel Schwägalp übernachten und von dort auch mit der Seilbahn auf den Säntis fahren. Wintersportler kommen hier auf ihre Kosten.

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Manchmal fliegen Bundeskanzlerin Angela Merkel oder UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon über das Appenzeller Land - wenn einmal im Jahr in Davos das Weltwirtschaftsforum tagt. Manchmal sind es millionenschwere Promis oder der internationale Hochadel, der in dem mondänen Skiort die Winterferien verbringt.

"Die landen alle mit ihren Privatjets in Altenrhein und gehen dann mit dem Heli weiter", sagt Willy Würzer, der ehemalige Posthalter von Wienacht, und weist mit der Hand irgendwo in den Nebel, wo bei klarem Wetter der Bodensee in der Sonne glitzert. Heute ist rein gar nichts zu sehen - die Brise weht aus Nordosten und hat den feuchten Winternebel gebracht, der sich wie eine milchig-weiße, kalte Decke über das Appenzeller Hügelland legt. "Die Promis sollen ruhig über uns hinwegfliegen", erklärt Willy freundlich, "hier im Appenzeller Land lieben wir unsere Ruhe." Schümli-Pflümli als Haustrunk Der alte Posthalter stapft weiter durch den Schnee bis zum Restaurant Station, einem kleinen Gasthaus mit verwitterten Holzschindeln, wo Wirtin Gaby schon das Käsefondue und den zuckersüßen Birnenkuchen Schluerzi-Fläde auf den grob gezimmerten Holztisch angerichtet hat.

Eine Handvoll Gäste hat sich hier am frühen Freitagabend versammelt, um ein Bier oder den Haustrunk Schümli-Pflümi zum Wochenausklang zu trinken und lautem Gedudel aus der Wurlitzer Musikbox zu lauschen. Mit der Zeit werden das Lachen lauter, die Geschichten skurriler, und die Musikwahl ist bei Roland Kaiser angelangt. Doch zehn vor zehn ist Schluss, dann ruckelt von Rorschach die Zahnradbahn herauf und die Kneipengäste fahren hoch nach Heiden.

"Das Biedermeierdorf", so nennt sich der hoch auf einer Sonnenterrasse gelegene Kurort, der mit jährlichen Biedermeierfesten die gute alte Zeit pflegt. Eine Katastrophe verhalf Heiden zu Ruhm. Im Jahre 1838 brannte das gesamte Dorf bis auf ein Haus nieder - und wurde nach der damaligen Architekturmode im reinen Biedermeierstil wieder aufgebaut. Heute schmückt sich das Hotel Linde mit dem angeblich schönsten Biedermeiersaal des Appenzeller Landes. Traditionell geht es auch in Urnäsch zu. Hier, so heißt es, seien die Sitten und Gebräuche so eigentümlich,

dass nur die Einheimischen selbst noch durchblicken. "Alles läuft nach strengen Regeln, aber nirgends steht etwas geschrieben", erklärt der wettergegerbte Sämi Frick in schönstem Schwyzerdütsch, während er mit lockerer Hand sein Pferdeschlittengespann dirigiert. Der 56-Jährige ist ein Profi in Dingen Urnäscher Bräuche und hat seit seinem sechsten Lebensjahr noch kein Chlausen, Blochen, Öberefahre, keinen Alpaufzug, kein Sennenfest und keine Viehschau auf dem Urnächer Marktplatz ausgelassen. "Richtig wild sind wir beim Chlausen", meint er, "das ist wie ein Fieber".

Und im Fieber sind die Urnäscher gleich zweimal im Jahr, am neuen Silvester, dem 31. Dezember, und am alten Silvester, dem 13. Januar, ein Datum, auf das die Urnäscher als Widerstand gegen die Gregorianische Kalenderreform auch heute noch beharren. An diesen Tagen herrscht Ausnahmezustand. Die Männer stülpen sich kiloschwere Hüte auf den Kopf, tarnen sich mit naiv bemalten oder wild gestalteten Masken, behängen sich als "wüeschte Chläuse" mit altem Geäst oder schlüpfen als "schöne Chläuse" in bestickte Frauenkleider. Dann ziehen sie von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang jodelnd durchs Dorf, schwingen ihre Glocken und Schellen und sammeln an den Haustüren scharfe Schnäpse ein. Geschichten von damals Die Männer geben im Herzen des Appenzeller Landes gerne die wilden Kerle - und die Frauen? "Fragt mal die Esther", meint Sämi, "die erzählt im Wald so Geschichten." Esther Ferrari, der Großvater kam aus dem Tessin, trägt schwer an der Kiepe auf dem Rücken und stapft mit dicken Lederstiefeln durch den Schnee. Ihr Ziel ist eine Holzhütte mitten im Winterwald umgeben von hohen Tannen. Behende zieht sie den schweren Holzriegel beiseite und schichtet Scheite für ein Feuer auf. Bald lodern die Flammen hoch und Esther erzählt die Geschichten von damals, als die Hungersnot Elend nach Urnäsch brachte. Sie erzählt von Naturheilern, die auch heute noch geheime Mittel gegen Husten und Fieber verteilen, sie erzählt von guten und bösen Geistern, von Armen, die ihr Glück machen und von Reichen, die vergeblich nach Sinn suchen. Das Feuer brennt nieder, Esther klappt die große Lederfibel zu und lacht herzerfrischend:

"Was brauchen wir die Promis, was brauchen wir Davos. Wir haben hier genug Trubel mit den Chläusen, den Alpaufzügen, Sennenfesten und all dem Jodeln. Und gleich", nun mahnt sie zur Eile, "ist unten im Dorf ein Öberefahre. Der Martin treibt in voller Sennentracht seine Kühe in einen anderen Stall. Der Sämi ist sicher auch da mit seinen Pferden." Sie lacht und macht eine großzügige Handbewegung: "Ach, kommt doch einfach mit!"

Impressionen vom Appenzeller Land bekommen Sie in unserer Foto-Show.

Quelle: Jutta Lemcke/srt, srt

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