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Antarktis: Zur Belohnung Pinguine

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Zur Belohnung Pinguine

15.08.2012, 14:08 Uhr | Hilke Segbers/tmn/Raufeld

Marilyn Monroe hätte das verstanden: Steine bedeuten für Pinguine Reichtum. Für die Kiesel legen sie weite Wege zurück, streiten sich mit dem Nestnachbarn und werden mitunter auch zu Dieben. Wer viele Steine hat, ist attraktiv als Partner und hat ein trockenes Nest. Wer die Frackträger beim Steine sammeln beobachten möchte, muss allerdings weit reisen. Wir zeigen, was Sie in der Antarktis erwartet.

Die Antarktis ist eine Wunderwelt aus Eis und Schnee. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Antarktis ist eine Wunderwelt aus Eis und Schnee. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Von Mitteleuropa aus sind es Zehntausende Kilometer bis in die Antarktis - den kältesten, windigsten und am wenigsten erschlossenen Kontinent der Erde, dessen Fläche zu fast 98 Prozent von Eis bedeckt ist. Im Gegensatz zur Arktis hat die Antarktis aber festen Boden zu bieten - und Steinchen.

Von Deutschland aus fliegt man knapp 14 Stunden nach Buenos Aires, dann noch einmal 4 Stunden nach Feuerland. Die Provinzhauptstadt Ushuaia ist der Haupthafen für Expeditions- und Kreuzfahrtschiffe. 35 von ihnen pendeln im Südhalbkugel-Sommer zwischen Ushuaia und der Antarktis.
Die Reisen dauern meist 13 bis 22 Tage. Das bedeutet aber beileibe nicht, dass sich die Touristen auch so lange im Ewigen Eis aufhalten. Bevor nach der Abfahrt in Ushuaia die ersten Inseln in Sicht kommen, müssen der Beagle Kanal durchfahren und die Drake Passage überwunden werden. >>

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Und letztere ist selbst mit dem Komfort neuester Schiffe mit ihren Stabilisatoren immer noch kein einfacher Seeweg.

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Wie gut, dass es an der Rezeption der "Fram" eine ganze Schublade voll mit kleinen gelben Pillen gegen Seekrankheit gibt. Aber selbst mit Medikamenten füllt sich der Speisesaal zu den Mahlzeiten nur halb, wenn sich draußen bei Windstärke neun bis elf die Wellen türmen. Knapp drei Tage dauert die schaukelnde Fahrt, dann werden die Gewässer wieder ruhiger, und das erste Eis kommt in Sicht.

Majestätisch liegen Tafeleisberge im dunkelblauen Wasser. Andere schwimmende Eismassen haben bizarre Formen: Torbögen, Herzen, Schlösser, Geweihe. Sie alle glitzern in verschiedenen Blau- und Grüntönen, wenn die Sonne scheint. Und je näher man den antarktischen Inseln kommt, desto öfter sieht man auf den Eisbergen kleine schwarze Punkte: Pinguine. Und jeden Tag steht die Frage neu im Raum: Wie sind die da bloß hochgekommen? Es bleibt ein Rätsel. >>

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Gelassen sitzen sie auf ihren Eisthronen und blicken zu den vorbeifahrenden Schiffen herüber. Rauf oder runter springt keiner - solange jemand zusieht.

Pinguine sind die Hauptattraktion in der Antarktis. Und wer sich noch in der Drake Passage gefragt hat, warum er sich eine solch beschwerliche Reise eigentlich antut, dem fällt es spätestens in der ersten Pinguinkolonie wieder ein. Die Nistplätze der Vögel stinken zwar meilenweit gegen den Wind, und die schwarz-weißen Tiere sind auch meist gar nicht so hübsch sauber wie im Zoo, sondern oft die reinsten Dreckspatzen - aber dafür sind sie reizend zu ihren Partnern, eifrig bei ihren Arbeiten an den Steinnestern, possierlich in den Bewegungen und elegant als Schwimmer.

Die erste Chance, auf einen Pinguin zu treffen, besteht auf den Süd-Shetlandinseln. Sie wurden 1819 von dem britischen Kaufmann William Smith entdeckt und wegen der ähnlichen Breitenlage auf der anderen Erdhalbkugel nach den Shetlandinseln benannt. Half Moon Island ist für viele Schiffe der erste Halt im Eis. Auf der kleinen, halbmondförmigen Insel lebt eine große Kolonie von Zügelpinguinen, und schon von weitem sind im Schnee die "Pinguinautobahnen" zu sehen, die Trampelpfade der Tiere von ihren Nestern zum Meer und zurück.

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Angelandet wird mit Zodiacs an einem grauen Kiesstrand, an dem ein altes Fischerboot vor sich hinrottet. Und dann steht man vor ihnen. Und lernt: Pinguine sind nicht ängstlich. Unbeirrt watscheln sie ihrer Wege und brüten auf ihren Nestern - egal wie nahe ihnen die Menschen kommen. Jeder Besucher hat zwar während der Anfahrt an Bord gelernt, dass er einen Abstand von fünf Metern zu den Tieren halten soll. Aber viele vergessen vor Entzücken - "Hier sind zwei Küken im Nest!" - die Regeln und robben sich mit der Kamera immer näher heran. Das finden die Crewmitglieder der "Fram", die sich über die Insel verteilen, nicht witzig. Per Funkgerät informieren sie sich über die Übereifrigen und kommandieren sie wieder auf den rechten Weg. >>

Viele Schiffe, die Expeditionsreisen in die Antarktis anbieten, haben Wissenschaftler als Lektoren an Bord und halten sich an die Regeln des Verbandes der Antarktisreisen-Veranstalter. Er hat Verhaltensrichtlinien zum Schutz des Lebensraumes der dort lebenden Tiere aufgestellt. Danach darf eine Bucht immer nur vier Stunden lang besucht werden. Niemals dürfen mehr als 100 Menschen auf einmal an Land, das Rauchen und Essen ist dabei nicht erlaubt. Und nichts darf zurückgelassen werden. Im Ewigen Eis verrottet alles nur sehr langsam.
Dennoch steht man anfangs an Land und überlegt, ob die Antarktistour wirklich so eine gute Idee war. Hat der Pinguin nicht doch gerade ängstlich den Pfad gewechselt? Wie viele Schiffe und damit wie viele Leute waren heute wohl schon in der Bucht? Und wie viel Ruß stößt eigentlich der Dieselmotor des Schiffes aus? Zurück an Bord werden diese Fragen beim Abendessen diskutiert. Das Ergebnis: Natürlich muss man nicht unbedingt ins Ewige Eis. Aber es ist sehr beeindruckend. Und wer einmal dort war, dem wird die Notwendigkeit von Naturschutz oft erst richtig bewusst.

Spätestens in Port Lockroy verfliegt die Sorge, ob sich die Pinguine gestört fühlen könnten. Sie nisten - freiwillig - bis vor die Stufen der alten britischen Marinestation. 1996 renovierte der britische Antarctic Heritage Trust Port Lockroy. Seither gibt es dort ein Museum, eine Poststelle und einen Souvenirladen. Diese Mischung macht den Hafen zu einem der beliebtesten Stopps in der Antarktis. Für die Gäste gibt es einen Pinguin-Stempel in den Pass.
Ein weiterer Höhepunkt ist eine Fahrt durch den Lemairekanal. Die bis zu 1,6 Kilometer schmale Durchfahrt wurde 1873 erstmals gesichtet und 1898 das erste Mal durchfahren. Bei Sonnenschein spiegeln sich die Hänge der antarktischen Halbinsel und Booth Island in der elf Kilometer langen Passage, in der immer zahllose Eisberge treiben. Als beliebtes Fotomotiv trägt er bei den Spitznamen "Kodakkanal".

Mitunter ist auch ein Stopp bei Antarktisforschern angesagt, etwa bei der vor mehr als 50 Jahren errichteten, einst britischen und heute ukrainischen Forschungsstation Vernadsky auf der Insel Galindez. In einem dunklen Holzbau wohnen 13 Personen für jeweils 12 Monate im Eis - neben Wissenschaftlern auch Techniker, ein Koch und ein Arzt. Sie zeigen gerne ihre Räume und verkaufen selbst gebrannten Wodka für einen Dollar das Glas. Serviert wird an einer urigen Theke, an der aufgereiht BHs hängen. Jede Besucherin ist aufgefordert, die Anzahl dieser Trophäen zu vergrößern. Berühmt wurde Vernadsky, weil die Forscher hier - zusammen mit ihren Kollegen der Halley Station im Wedellmeer - das riesige Ozonloch über der Antarktis entdeckten.
Bilder der Antarktis bekommen Sie in unserer Foto-Show.

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